Traumhaft schönes Fjord-Norwegen 1997

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20060322-26

Eine „Hyttan“ am Fjord

Traumhaft schönes Fjord-Norwegen

Zu meinen Lieblingsländern gehört zweifelsohne Norwegen und hier ganz besonders Fjord- Norwegen. Eigentlich ist die ganze norwegische Küste ein absoluter Traum und man weiß gar nicht, wo man am liebsten Urlaub machen oder gar wohnen möchte. Zwischen hohen Bergen, die bis zu 600 m steil in den Fjord abfallen, wie z. B. der „Prediger-Stuhl“, graben sich die Fjorde bis tief ins Land hinein und enden oftmals an Gletschern, die nahezu bis an die Wasser der Fjorde reichen. Eine solche Reise, ist im Frühjahr ein ständiger Wechsel von blühenden Fjordufern und schneebegrenzten Passhöhen und das mehrmals am Tag. Übernachten kann man in sehr netten „Hyttan“, Ferienhäusern von einfach bis luxuriös.

Eine kleine Vorbemerkung:

Diese Reise habe ich 1997 unternommen, doch sie erst 2006 erstmals als PDF-Datei ins Netzt gestellt. (2015 habe ich den Reisebericht dann in WordPress umgewandelt und die Bilder eingefügt, wobei ich hoffe, das ich keine Fehler gemacht habe). Den Text habe ich auf der Reise in Form eines Tagebuches geschrieben, und dabei natürlich meine Gedanken und Erlebnisse aufgeschrieben. Damals hatte ich noch keine Digitalkamera, so dass ich nur normale Bilder gemacht habe. Erst 2006 habe ich die ganzen Negative digitalisieren lassen (wodurch sie alle einen Blau-rot-stich haben!), um sie für diese Seiten nutzen zu können – das Scannen war mir einfach zu mühselig und langwierig. Doch oh Schreck: ein großer Teil der Negative waren verschwunden! Ich habe gesucht und gesucht, doch sie nicht gefunden. Daher sind einige Passagen bilderlos geblieben, was sicherlich beim Lesen etwas langweiliger ist. Ich bitte, mir das nachzusehen. Doch vielleicht ist das ein Grund für Sie, einmal selbst diese Reise nachzuvollziehen, damit Sie Ihre eigenen Fotos machen können!

Die Preise sind nach nunmehr über 20 Jahren nicht mehr aktuell, so dass sie nur als Anhaltspunkt dienen können. Aber die traumhaften Landschaften haben sich garantiert nicht geändert!

Folgen Sie mir jetzt auf einer wunderschönen Reise durch Fjord-Norwegen, um dieses einmalig schöne Land zur Mittsommernachtszeit zu erleben.

Donnerstag, 12. Juni 1997

Normalerweise fahre ich von Kiel mit der sehr angenehmen Color-Line nach Oslo, denn das ist alleine schon ein herrliches Urlaubserlebnis. Diesmal bin ich von Hirtshals am Nordzipfel von Jütland ebenfalls mit der Color-Line nach Oslo gefahren, weil es Mitte Juni keine freie Kabine mehr von Kiel nach Oslo gab.

Dennoch sollte man dieses Risiko auf sich nehmen, denn der Juni ist zwar schon gut gebucht, doch die eigentliche Hochsaison beginnt in Norwegen erst ab Juli und dann würde ich eine solche Reise auch nicht machen.

Also habe ich meine letzten Einkäufe und Besorgungen in Rendsburg gemacht und bin dann so gegen 15.30 Uhr losgefahren. So schön über die Landstraße, denn ich wollte ja eine Erlebnis- und keine Autobahn-Reise machen. In Flensburg habe ich noch einen Stopp im „Förde Park“ eingelegt, da ich noch ein paar Einkäufe tätigen wollte.

So gegen 16.00 Uhr passierte ich die dänische Grenze und da ich nicht ganz ohne Kronen sein wollte, habe ich für 50 DM Geld gewechselt. Die freundliche Dame in dem Geschäft, wo ich wechselte, meinte, dass man ca. 4 – 5 Stunden bis Hirtshals brauchen würde, so dass ich damit rechnete, gegen 21 Uhr dort anzukommen. Sie riet mir davon ab, die Landstraße zu benutzen, da dies sehr viel länger dauern würde, also fuhr ich – entgegen meiner Absicht – doch auf der Autobahn.

Ich wollte natürlich probieren, wie mein Handy in Dänemark funktionierte, doch leider las ich immer nur „Netzsuche“. Als ich dann versuchte, zu telefonieren, kam immer wieder so etwas wie: keine Erlaubnis für ein fremdes Netz. Das habe ich natürlich nicht verstanden, warum es nicht im Ausland funktioniert, wo doch überall zu lesen ist, dass man mit diesem Ding auch überall im Ausland telefonieren kann. „…eiße“ dachte ich, denn was sollte ich jetzt machen?

Schon gegen halb 8 habe ich dann Aalborg erreicht, sodass ich beschloss, den letzten Teil doch auf der Landstraße zu fahren. So fuhr ich nach Blokhus, wo wir – sage und schreibe – vor 28 Jahren Urlaub gemacht haben. Hier hat unsere erste Tochter Nina ihre ersten Schritte allein gemacht, was ich nie vergessen werde.

Außer dem tollen Restaurant „Strandingskroen“ habe ich nichts wiedererkannt, doch an den Strand bin ich natürlich gefahren. Dort erwischten mich die ersten Regentropfen…

Am Strand entlang bin ich dann zum nächsten Ort gefahren – es ist immer noch möglich – und dann über Löcken nach Hirtshals. Hier habe ich nicht gleich das Hotel „Skaga“ gefunden, so dass ich zweimal durch den Ort gefahren bin, doch dann auf der Straße nach Skagen sah ich es nach ca. 1 km am Osthafen.

Es ist ein modernes Best Western Hotel mit sehr großen Zimmern – ca. 35 – 38 qm groß. Man lernt auch als Vielreisender immer wieder dazu: wer hätte es schon für möglich gehalten, dass man heute für ein Geschäftsreisehotel so große Zimmer bauen würde? Doch hier hat man sicherlich daran gedacht, dass man in den nächsten 20 Jahren diese Zimmer nicht wieder umbaut und sie daher gleich so gebaut, dass sie dann auch noch Standard sind. Große Klasse!

Da ich nicht wusste, was mit meinem Handy ist, habe ich erst einmal vom Hotelzimmer aus meinen Sohn Nils angerufen, obgleich mich der Anhänger am Telefon darauf Hinweis, dass es sehr teuer ist, vom Hotel aus zu telefonieren. Das fand ich natürlich wieder einmal hochinteressant: Der Gast wird darauf aufmerksam gemacht, dass es billiger wäre, von der Telefonzelle aus zu telefonieren! Die Minute nach Deutschland sollte so ca. 10 DM kosten. Also: fasse Dich kurz!!!!

Nun, ich habe Nils doch angerufen und er sagte mir, dass ich eine internationale Freischaltung haben müsste, – jetzt muss ich noch einmal in der Bedienungsanleitung nachsehen, wie das richtig heißt – „International Roaming“ – um aus dem Ausland telefonieren zu können. Also: mein Fehler, dass ich das nicht gewusst habe. (Diese blöden Bedienungsanleitungen – die ich so hasse – da steht es natürlich drin.)

Da ich nicht ganz zu Fuß zurücklaufen wollte, um den Ort noch näher kennen zu lernen und um evtl. noch etwas zu essen, bin ich bis zum Hafen mit dem Auto gefahren und habe es dann dort stehen lassen. Der Kutterhafen ist sehr nett und es muss gerade noch ein Kutter angekommen sein – es war immerhin gegen 9 Uhr abends, denn er hatte noch nicht alle seine Schollen ausgeladen und die Fischer standen mit anderen Männern am Kai herum und klönten, natürlich nicht ohne die dafür notwendigen „Tuborg“-Flaschen…

Einer der Fischer fragte mich, ob ich Fische haben wollte – so glaubte ich es jedenfalls verstanden zu haben (mein Dänisch ist mehr als katastrophal! Eigentlich verstehe ich gar nichts.) – doch da ich sie weder im Hotel noch sonst wo hätte braten können, sagte ich nein.

Dann spazierte ich in das Zentrum, wo sich vor einem Restaurant einige Gäste aufhielten und gegenüber an einem Imbissladen die Jungend von Hirtshals saß, trank und sich die Langeweile mit Biertrinken, Witze erzählen, Macho spielen und mit dem Mofa durch die Fußgängerzone zu gurken vertrieb. Übrigens: die dänischen Mädchen sehen schon verdammt gut aus!

Eigentlich hatte ich keinen Hunger, da ich unterwegs genügend Chips und Schokolade gegessen hatte. Das einzige Restaurant, was mich gereizt hätte, war das Fischrestaurant, doch das hatte schon um 21.30 zugemacht, was ich natürlich für zu früh hielt, doch als ich dann an das „Töpferhaus“ am Bistensee dachte, das ich mal geleitet hatte, war mir klar, wie groß der Unterschied zwischen Wünschen der Gäste und betrieblichen Notwendigkeiten in der Gastronomie sind….

So bummelte ich denn weiter durch den Ort, hatte sogar den Mut, hinter einem Ehepaar in eine Bar mit Tanz zu gehen, die ich jedoch so langweilig fand, dass ich sie gleich wieder verließ. Auf der Straße fand ich dann sogar noch eine Krone, sodass ich damit noch genau 100 Kronen in der Tasche hatte.

Nach dem mehrfachen Studium der Speisekarte einer Pizzeria entschloss ich mich dann doch, etwas zu essen. Eine Pizza Romano mit Tomate, Schinken, Käse und „Reijer“ sowie ein kleines Glas Rotwein, und dann noch ein zweites, machten genau 100 Kronen aus, was ich – wie ich vorher ja mit der gefunden Krone festgestellt und dementsprechend auch meine Bestellungen aufgegeben hatte – gerade noch in der Tasche hatte. Leider kein Trinkgeld für den Wirt. Sorry!

Im Hotel gab es zwar noch eine Bar mit Livemusik, doch da saßen nur ein paar Hanseln herum und auch den Nightclub schaute ich mir nicht an, sondern ging auf mein Zimmer, wo ich mir noch einen Teil der Harald Schmidt Show ansah – bis zur ersten Werbeunterbrechung – da habe ich dann, so gegen 0.30, das Licht ausgemacht.

Freitag, der 13. Juni 1997

Um Gottes Willen! wird so mancher sagen: am Freitag den 13. und dann mit dem Schiff über den Skagerak, das kann doch nur schief gehen!

Da ich allerdings nicht abergläubisch bin und auch keine stürmische See scheue (kann man gut sagen, wenn gerade Windstille herrscht) – hatte ich dieses Datum ja schon bei der Reiseplanung ignoriert.

Da ich eine Stunde vor Abfahrt einchecken sollte – also um 9.00 Uhr – hätte ich sicherlich nicht erst um 8.20 aufwachen sollen, doch der liebe Gott hat mich erst um diese Zeit geweckt, so dass ich etwas schneller meine Morgentoilette erledigen musste. Also, schnell wie ich nun mal bin, konnte ich sogar noch mein Frühstück einnehmen und war dann – fast – pünktlich an der Abfertigung, wo ich mich in die wenigen Wagen eingereiht habe.

Als ich kurz vor dem Check-in war, stellte ich fest, dass man doch wohl ein Ticket brauchen und dies nicht am Kontrollpunkt bekommen würde. Also bin ich ausgeschert und zum Terminal zurück gegangen, wo ich auch mein Ticket bekam, mit dem ich dann erneut vor die Abfertigung gefahren bin.

20060322-44 Color-Line „Festival“ hieß das Schiff, das ich früher schon einmal auf der Rückreise von Oslo gesehen und geglaubt hatte, es wäre ein Kreuzfahrtschiff der Color-Line. So wird man schlauer! Es dauerte dann doch noch etwas länger, bis das Schiff ablegte, so dass ich auf Deck das Treiben im Hafen beobachten konnte. 20060322-48 Am Interessantesten war wohl ein Schiff am Kai, das sehr tief lag, so dass man nicht einmal mehr die Nummer am Bug lesen konnte

Der zweite Frachter hatte offensichtlich Probleme, am Kai anzulegen – entweder war der Kapitän besoffen oder ließ seinen Lehrling ran – jedenfalls dachte ich, dass ein Jens Diekmann wohl am Steuer stehen würde, bevor er endlich anlegte und Eis lud. Auch er ließ sich das ganze Deck zuschütten, wobei ich nicht kapierte, wozu das wohl nützlich sein sollte. Hatten die etwas geladen, das von Deck aus gekühlt werden musste? Etwa Abfälle, die ins Meer versenkt werden sollten? Man kann doch nicht auf See hinausfahren, wenn man eh` schon überladen ist und sich dann noch mit Eis zudecken. Seltsam.

Na ja, er fuhr danach langsam aus dem Hafen hinaus und 20060322-49 da sah ich etwas Schäumendes in dem Dunst des aufkommenden Südwest-Wetters, das mächtig schnell herankam und ich wusste sofort, das kann nur die Schnellfähre aus Kristiansand sein. Und richtig, sie war es auch, doch sie musste ihre Fahrt abbremsen und sogar draußen vor der Hafeneinfahrt warten, weil wir immer noch nicht ausgelaufen waren. Was soll also die schnelle Fahrt, dachte ich mir so, wenn man dann auf die andere Fähre warten muss, die nicht pünktlich ausläuft?

Wir fuhren erst mit 35 Minuten Verspätung ab und erst danach konnte die Schnellfähre in den Hafen einlaufen. Sie sah übrigens ganz anders aus, als die normalen Fähren. Vorne sehr spitz, damit die Wellen wohl besser ablaufen können, oben völlig zu und vielleicht am Heck einige offene Plätze für die Passagiere, von denen man jedoch keine sehen konnte, also müssen sie wohl alle unter Deck bleiben, um nicht von Bord gefegt zu werden.

Der komische überladene Frachter übrigens machte einen großen Bogen um die Schnellfähre, doch dann bleib er stehen, drehte und fuhr zurück. Warum konnte ich nicht feststellen, denn als wir ablegten und den Hafen verließen, habe ich nicht mehr sehen können, was er machte. Er lag aber immer noch sehr tief, also hat er seine Fracht noch nicht abladen können…

Auf halber Strecke zwischen Hirtshals und Oslo verließen wir – sehr plötzlich – die Zone zwischen der Schlecht-Wetter-Front mit schwüler und feuchter Luft und Südwest-Wind – die mich schon in Hirtshals eingeholt hatte – und klarer Luft und Südost-Wind mit Sonnenschein. Also suchte ich mir ein schönes Plätzchen an Deck und las mein Buch von Tom Clancy: „Befehl von oben“, das mein Sohn Nils und meine Schwiegertochter Saveria mir geschenkt hatten, als sie mich besuchten. Es wird wohl bis zum Ende des Urlaubs ausreichen, denn es hat weit über 900 Seiten und ich habe erst ein Drittel davon gelesen!

Ja, und dann sah ich wieder den Oslo-Fjord. 20060322-52 Es ist immer ein tolles Erlebnis, durch diesen wunderbaren Fjord nach Oslo zu reisen und ich genieße es stets auf`s Neue. Wie schön, dass ich diese Tour mit der Color-Line auch gemeinsam mit meiner Mutter im Winter 95/96 erlebt habe, als die Ostsee wieder einmal seit langer Zeit mit Eis bedeckt war und wir das tollste Wetter hatten, um es auch richtig genießen zu können.

20060322-53 Die Einfahrt in den Hafen von Oslo war ebenfalls wieder wunderschön und ich konnte nicht anders, als erneut Fotos zu machen. Doch dann musste ich unter Deck zum Auto gehen, um meine zollfrei auf dem Schiff gekauften Waren zu laden (ich hatte 2 Flaschen Rotwein, „After Eight“ und „Qualitiy Street“-Bonbons gekauft) und auf die Ausfahrt warten. Da ich ziemlich weit vorne stand, obwohl ich nahezu als Letzter eingeschifft hatte, kam ich also schnell heraus und reihte mich in die Schlange vor der Grenzabfertigung ein. Ordentlich wie ich nun mal bin, hatte ich meinen Pass schon herausgeholt und aus dem Fenster gehalten, doch das war offensichtlich ein Fehler gewesen: „Wer so den Pass weit aus dem Fenster hält, muss wohl etwas zu verbergen habe“, dachte sich offensichtlich der Zöllner und bat mich, nach rechts raus zufahren. Nun, das habe ich in Oslo bisher zwar noch nie erleben müssen, doch wenn`s sein muss, muss es wohl so sein.

Eine Zöllnerin bat um meinen Pass und meine Tickets und fragte mich, was ich in Norwegen machen wollte. Ehrlich, wie ich bin, sagte ich, dass ich einfach nur das Land ansehen wollte und keine festen Ziele hatte. Das muss ihr wohl sehr suspekt vorgekommen sein (solche Idioten gibt es wohl nicht), so dass sie erst einmal zum Office verschwand, um den Zentralcomputer zu befragen. Ich weiß nicht, was der ihr erzählt hat, denn als sie zurückkam, fragte sie mich, wo ich meine Ticketreservierung hätte. Ich wiederholte, dass ich sie telefonisch bei der Color-Line bestellt hatte, da ich am Ende der Reise mit May Hellen Tangen von der Color-Line verabredet war, um mit ihr über geschäftliche Dinge zu sprechen. Langsam wurde ich – wie üblich – nervös und fragte, was denn so falsch an mir wäre. „Nur Routine-Kontrolle“ war die zu erwartende Antwort, doch das war es offensichtlich nicht. Ich wurde gebeten, den Kofferraum zu öffnen, was ich auch tat, sagte ihr, sie könne auch meinen Koffer sehen, was sie jedoch nicht wollte, und da sie nichts finden konnte, gab sie schließlich frustriert – nehme ich an – auf, und gab mir – nach insgesamt ca. 15 Minuten – meine Papiere zurück. Sauer, wie ich inzwischen geworden war, sagte ich mir, „dass fängt ja gut an“ (Lag wohl am Freitag, den 13.) und fuhr los.

Mein Zorn war auch noch nicht vorbei, als ich dann westlich in Richtung Drammen fuhr. Da wollte mich doch tatsächlich auf der 6-spurigen Ausfallstraße jemand überholen. Na, da muss ich wohl mal Gas geben, um ihm zu zeigen: das kann ich auch!

„Blödmann“, dachte ich zu mir selbst, reg` Dich wieder ab, denn willst Du Dir etwa die Reise durch diese blöde Zollkontrolleuse verderben lassen? Leichter gesagt, als getan, denn son` Sch…. regt mich (leider) immer auf!

So regte mich die Sache immer noch auf, als ich auf die E 16 nach Norden abbog und an einer Mautstation anhalten musste. Clever und reiseerfahren (wie ich nun mal bin…) suchte ich mir die Linie aus, auf der es offensichtlich am schnellsten gehen würde. Da meine Reihe natürlich viel langsamer abgewickelt wurde, als die Autos auf der anderen Bahn, musste ich danach, als ich endlich „abgefertig war“, erst einmal einer Fahrerin, die mindestens 5 Autos hinter mir gestanden hatte, – aber natürlich auf der anderen Spur – zeigen, wie schnell ein BMW beschleunigen und rechts überholen kann. „Blöder Deutscher“ hat sie bestimmt gedacht und damit hatte sie Recht. (Das Frank-Motts-Imperativ für Reisen in fremde Länder: „Benehme Dich immer so, als ob Du Botschafter Deines Landes wärest“ hatte ich wohl vergessen!).

Sie wissen nicht, wer Frank Motts war? Können Sie auch nicht. Das war ein – leider inzwischen verstorbener – Amerikaner, der nach seiner Pensionierung viele Menschen aus den USA durch Europa geführt hat, und den ich im Romantik Hotel „Markusturm“ in Rothenburg ob der Tauber kennen und schätzen gelernt hatte.

Er hatte noch einen weisen Spruch, denn ich nie vergessen werde und der mir sehr oft eingefallen ist, wenn ich reiste: „Wenn Du in einem anderen Land etwas siehst, das Dir fremd ist, denke nicht sofort: „Anders als zuhause, also schlecht“, sondern „Hey, interessant, das solltest Du dir mal genauer anschauen“. Und siehe da, man stellt oftmals fest: „Gar nicht so schlecht! Vielleicht sogar besser, als zuhause!“ Soweit zu Frank Motts, Gott hab ihn selig.

Kurz hinter Oslo bog ich gen Norden ab, da ich ja ins Jotunheimengebirge wollte. Die Straße führte kurvenreich höher und höher und plötzlich auf der Höhe wechselte die Landschaft, wie ich es schon vor über 30 Jahren erlebt hatte: Berge, Seen und Natur soweit das Auge reicht! Jubel, Jubel! Ja, das war mein geliebtes Norwegen, wie ich es mir in Erinnerung behalten hatte.

Wie der Zufall – und das Glück – es will: kaum dass ich diesen Gedanken so richtig zu Ende gedacht hatte, sah ich ein Schild „Golfbane“: Da gab es für mich natürlich kein Nachdenken mehr: rechts raus und dem Schild folgen. Über eine Pontonbrücke mit Booten an der rechten Seite führt der Weg auf eine Insel und dort war der Golfplatz.

Nachdem ich meine 200 NKR Greenfees bezahlt hatte, ging ich los, es war immerhin schon 20 vor 8! Der „wackerste“ Golfplatz Norwegens, stand auf dem Schild zu lesen. War es nun der schönste -„wackra flicka, jey elsge dei“ (oder so ähnlich) – oder der schwierigste (wacker = mutig = herausfordernd?).

Nun, ich wurde erst schlauer, als ich am 12. oder 13. Loch mit einem weiteren „einsamen Wolf“-Spieler zusammentraf, der auf mich wartete, weil er drei 4er-flight vor sich hatte.

20060322-59 Golf in Norwegen, selten aber wunderschön! 20060322-55

Es wäre der schönste Golfplatz ganz Norwegens, klärte er mich auf. Und er war schön! Tolle Landschaft, sehr hügelig zwischen Bergen und Seen, mit tollen Ausblicken auf die Seen und den Sonnenuntergang. Das ist es, was des Golfers-Herz höher schlagen lässt!

Ich hatte zwar anfangs meine Bedenken, ob ich gut spielen würde, nachdem ich mich so über den Zoll geärgert und dies auch noch nicht ganz im Hirn gelöscht hatte. Doch nachdem der erste Abschlag mit ca. 200 m und direkt zwischen zwei Wasserhindernissen hindurch gelandet war, vergaß ich den blöden Zoll. Ich spielte sogar sehr gut – obgleich ich einen Ball ins Aus gesetzt hatte – und konnte auf den ersten 9 Löchern nur 47 Schläge verzeichnen!

Die zweiten 9 waren zwar nicht ganz so gut, da ich erneut einen Ball verlor und den letzten so ins Rough setzte, sodass ich zweimal eine 10 notieren musste, doch immerhin noch auf 54 kam und somit insgesamt eine 29 spielte. Um 23.05 waren wir fertig und das war auch gut so, denn um 23.15 wird die Pontonbrücke geschlossen, wie mir Olaf, mein Mitspieler, sagte.

Da ich nicht gleich das nächste Hotel aufsuchen wollte, obgleich mir eines direkt am See schon gefallen hätte, fuhr ich weiter. Gegen 12 Uhr (nachts) kam ich in Hönefoss an, doch das Motel, was ganz gut aussah, hatte bereits um 22:00 Uhr die Türen zugemacht. Also fuhr ich weiter. Das Quality Inn in der Stadt war völlig ausgebucht und man sagte mir, dass die ganze Stadt voll war. Also fuhr ich weiter.

20060322-60 Am Stadtrand von Hönefoss hielt ich jedoch an, denn dort sah ich den ersten tollen Wasserfall, eigentlich nur eine breite doch große Stromschnelle, doch sie war schon toll anzusehen.

Es war immer noch so hell, dass man wirklich Zeitung lesen oder besser: die Landkarte ohne Licht studieren konnte.

An jeder Hüttenstation wollte ich anhalten, doch sie waren alle schon geschlossen, so dass ich gegen 1 Uhr in Fagernes ankam. Das gut aussehende Best Western Hotel war ebenfalls ausgebucht, so dass ich wusste: für heute Nacht findest Du kein Hotelzimmer mehr!

Ich weißt nicht mehr genau, ob es vor oder hinter Fagernes war, auch auf der Karte ist es nicht zu erkennen, als ich von der Landstasse abgebogen und in die Berge in einen kleinen Ort gefahren bin. Ich erinnerte mich, dass Hans Christian Flaten – mit dem ich auf der Hotelfachschule in Heidelberg war, und mit dem wir – Wolfgang Musolf und ich – 1963 hierher gefahren sind – hier irgendwo ein Hotel bauen wollte. Ich hatte inzwischen zwar gehört, dass er nicht sonderlich erfolgreich mit dem Hotel gewesen sein soll, doch irgendwie wollte ich es wissen. Ich fuhr also den Berg hinauf und fand auch ein Hotel, das allerdings schon 1950 gebaut worden war, also konnte es das nicht gewesen sein.

Da es zwar gut belegt erschien, aber kein Mensch sich mehr rührt, blieb mir nicht anderes übrig, als wieder umzukehren und weiterzufahren.

Als ich dann auf der Höhe an einem wunderschönen Bergsee vorbei kam, hielt ich an, um ihn zu bewundern.

Da ich doch schon etwas müde war, versuchte ich, mich in meinen Auto zum Schlafen zu legen, zog einen zweiten Pullover und eine zweite lange Hose über und legte mich ins Auto. Während ich tagsüber – wenn ich müde werde – innerhalb von Sekunden einschlafen kann, ist dies nachts offensichtlich nicht möglich. Ich wälzte mich also mehrmals hin und her, bis ich dann – nach ca. 30 Minuten – den Entschluss fasste, weiterzufahren. (Es muss also doch hinter Fagernes gewesen sein.)

Von nun an ging die Straße immer bergauf und plötzlich tauchten am Horizont die ersten schneebedeckten Berge auf. Es ist das Jotunheimen Gebirge, das heute ein Nationalpark ist. Es war nun schon nach 2 Uhr und wurde langsam wieder heller. Hin und wieder kam mir sogar auch ein Auto entgegen – es gab also noch mehr Menschen, die kein Hotel gefunden hatten oder nicht übernachten wollten – doch sonst war ich mit mir und der nächtlichen Natur in den Bergen ganz allein. Ich passierte den Wintersportort Beitostölen, wo in einem Hotel noch jemand – vielleicht der Night Auditor – aus dem Fenster schaute, doch ich fuhr weiter.

Gleich am Ortsrand warnte mich ein Schild, dass es die nächste Tankstelle erst in 95 km Entfernung gab, doch ich hatte auf der Tankanzeige immer noch ca. 20 l stehen. Das muss zu schaffen sein, und zur Not habe ich ja noch den Reservekanister.

Kurz hinter Beitostölen erreichte ich eine Stelle, wo man einen sehr schönen Blick auf einen noch halb zugefrorenen See hatte und da machte ich einen erneuten Versuch, ein Nickerchen zu machen. Doch das Ergebnis war wie vorher, also fuhr ich weiter.

Hinter Bygdin führt eine kleine Straße rechts ab nach Vinstra, die als „Jotunheimveien“ auf der Karte gekennzeichnet war. Doch sie war gesperrt, so dass ich die normale Straße weiterfuhr.

(Ich kann zwar jetzt noch eine weitere Flasche Rotwein aufmachen und weiterschreiben, um nicht den Rest des ersten Tages – und der Nacht – zu vergessen, sondern aufzuschreiben, doch inzwischen ist es schon wieder 20 vor 11 am Sonntag, den 15. geworden und draußen regnet es immer noch und wenn man auf die sehr steilen Berge hier im Trollstigen Gastgiveri blickt, sind sie mit Neuschnee zu erkennen. Also machen wir erst einmal Pause!).

Auf der Höhe angekommen, machte ich erneut Halt, denn nun sah man schon das erste Morgenrot. 20060322-57  Ich glaube, dass ich erneut versuchte, zu schlafen, doch wieder ohne Erfolg, also fuhr ich weiter. Es ging nun schon wieder abwärts, ein toller Fluss begleitete mich mit Stromschnellen und glatten, fast seenartigen Abschnitten. Doch langsam wurde ich doch sehr müde und meine Konzentration ließ auch nach, so dass ich an einem kleinen Stausee – der allerdings leer war – parkte und nun konnte ich doch einschlafen.

So nach ca. einer Stunde wachte ich wieder auf, die Sonne war inzwischen aufgegangen, und ich fuhr hinab ins wunderschöne Otta-Tal mit dem herrlichen Vagavaln See. 20060322-61

Der Vagavaln See und die Otta waren sehr voll vom vielen Schmelzwasser, so dass am Ufer viele Bäume unter Wasser standen. An manchen Stellen stürzte sich der Fluss durch eine enge Stelle und schäumte so gewaltig, dass ich gar nicht anders konnte, als Fotos zu machen: Wasserfälle, Wasserfälle, Wasserfälle…20060327-102 Davon gibt es in Norwegen 1000e… 20060322-2 Doch an Wasserfällen konnte ich mich noch nie sattsehen…20060322-3 Herrliche Naturkraft, oder?

In Otta hatte dann auch schon eine Tankstelle auf – es war wohl so gegen 7 Uhr – und ich konnte wieder volltanken und auf der E 6 weiterfahren gen Norden. In Dombas bin ich dann in den Ort hineingefahren und habe an einer schönen Holzkirche auf einem Parkplatz erneut ein Schläfchen gemacht.

Ich wachte plötzlich auf, als mehrere Autos neben mir parkten und Menschen sich unterhielten. Da merkte ich, dass die Leute in die Kirche gehen wollten und sich wohl über diesen „deutschen Penner“ gewundert und unterhalten haben. Da merkte ich, dass es wohl besser wäre, wenn ich weiterfahren würde und tat es denn auch. So stottert man sich seinen Schlaf zusammen…

Die Strecke von Dombas nach Andalsnes ist wunderschön, denn die Straße führt hoch über dem Tal an der Nordseite des Flusses Lägen entlang, so dass man einen tollen Blick ins Tal und über die Berge hat. Natürlich musste ich auch hier hin und wieder Fotos von den tollen Wasserfällen machen und an einem habe ich mich sogar hingesetzt, mein Buch gelesen und das mächtige Rauschen des Wasserfalls in mich aufgenommen.

Der nächste Wasserfall war jedoch so grandios, er bestand fast aus drei großen Wasserfällen, so dass ich den schmalen Pfad, der schon keiner mehr war, hinabgestiegen bin, um ihn so richtig zu genießen und fotografieren zu können.

Hier treffen sogar zwei Wasserfälle aufeinander…20060322-1

Am Ende der Straße wird das Tal immer enger und die Berge immer höher und steiler – ein dünner Wasserfall neben dem anderen fällt von ihnen herunter – bis sich das Tal dann wieder öffnet und man in eines der wunderschönen Fjordtäler kommt, die voller herrlicher grüner Natur sind, schöne Holzhäuser aus der Jahrhundertwende aufweisen und eine unendliche Ruhe und Zufriedenheit ausstrahlen.

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Kurz vor Andalsnes biegt eine Straße nach links ab, der „Trollstiegveien“, die ich erst hineingefahren bin, dann wieder umkehrte, weil das Wetter immer schlechter wurde und man die Berge schon gar nicht mehr sehen konnte. Schließlich bin ich dann doch zum Trollstiegveien gefahren, weil ich diesen Pass unbedingt sehen wollte.

Nach nur wenigen Kilometern kam eine kleine Gastgiveri, zu erkennen an einem Holztroll ca. 500 m davor. 20060322-77

Da ich inzwischen wieder Hunger hatte – außer Chips, Apfelschorle und Schokolade hatte ich nichts im Magen – habe ich hier das Tagesgericht: Schweinekotelett mit Salat und gekochten Kartoffeln gegessen.

Die Gastgiverie sah ganz nett und sehr gepflegt aus, also fragte ich nach den Preisen für die Zimmer und für die gegenüberliegenden – ganz neuen – Hütten. Die Zimmer waren recht nett, doch mit Betten voll gestellt und die Toilette und das Bad waren nur die öffentliche Toilette der Gastgiverie. So ließ ich mir einen Schlüssel für eines der Hütten geben, um sie mir anzusehen. Sie waren so schön und wohnlich eingerichtet, dass ich mich entschloss, hierzubleiben. Sie kosteten 450 Kronen incl. Frühstück plus Bettwäsche – die man extra zahlen muss, weil die meisten wohl mit eigener Wäsche anreisen – doch das waren sie auch wert. Ein schöner Wohnraum mit Sitzecke, ein Schlafraum mit einem kleinen Doppelbett unten und einem ganz kleinen Etagenbett darüber, ein kleiner Raum mit Dusche, WC und Waschbecken, eine Terrasse gen Süden und alles in sehr hellem Naturholz – ganz neu gebaut. Ich war der erste Gast, denn im Mülleimer waren noch Reste vom Elektriker zu finden.

Meine Gastgiverie für 2 Nächte 20060327-85

Ich genoss mein Mittagessen auf der Terrasse und las mein Buch in der Sonne: ließ es mir so richtig gutgehen. Irgendwann am Nachmittag ging ich in meine Hütte und schlief so ca. 2 Stunden. Gegen 7 Uhr abends habe ich dann in der Gastgiveri mein Abendsessen – gekochter Lachs, sehr lecker – eingenommen, bin dann so gegen halb 9 ins Bett gegangen und habe lange, tief und gut geschlafen, bis am anderen Morgen gegen 9 Uhr.

Sonntag, 15. Juni 1997

Jetzt hatte mich das schlechte Wetter, das mir folgte und mich eigentlich immer wieder eingeholt hatte – schon in Rendsburg – endlich doch erwischt: es regnete. Und wenn es in den Bergen regnet, dann sieht man nur Wolken, die bereit in ca. 50 m Höhe anfangen. Manchmal rissen sie auch etwas auf, so dass es ein paar Stunden trocken wurde.

Der Wirt, der mit seinem Schaufelbagger immer noch am planieren der neuen Hüttenanlage war, sagte mir, dass ganz in der Nähe ein schöner See sei, den ich mir ansehen sollte. Ich ging auch los, fand den tollen und vollen Fluss wieder, den ich schon in der Nähe meiner Hütte gesehen hatte, doch da ich nicht wusste, wie weit es noch bis zum See war, bin ich wieder ungekehrt und habe an dem viel Wasser führenden Fluss Hölzer hinein geworfen und das Spiel beobachtet, dass die Strömungen mit diesen Spielbällen so trieben.

Da der Fluss unter der Brücke mit sehr vielen Wirbeln versehen war, hatten nur ganz wenige Hölzer die Chance, nicht nach links ins ruhige Wasser abgedrängt zu werden. Sie kreisten herum und kamen einfach nicht gegen die immer wieder auftretenden Quellwirbel an.

Ich habe also in meiner Hütte mein Buch genommen und viel gelesen. D. h. soviel nun wieder auch nicht, denn ich wollte ja meinen neuen Laptop ausprobieren und herausfinden, warum er nicht das gleiche Bild ausdruckt, das auf dem Bildschirm zu sehen war. Bis ich es schließlich herausfand: er hat die Schrift nicht gehabt, die ich in meinem Programm immer nutze, so dass er eine andere Schrift bekam, die viel kleiner war. Als ich dann die Schrift umgestellt hatte, funktionierte es auch.

Da ich mir noch in Deutschland bei Brinkmann die „Computer Bild“ gekauft hatte, wollte ich die natürlich auch lesen und habe viele interessante Dinge kennengelernt. Es gibt ja so unendlich viele Sachen, die man mit dem PC machen kann, wenn man das nur alles lernen könnte. Aber ein CD-rom Laufwerk werde ich mir wohl als Nächstes beschaffen, denn damit kann man ja noch viel mehr machen.

Um mich mit dem Laptop etwas vertrauter zu machen, bin ich dann angefangen und habe mein Reisetagebuch geschrieben. Um es interessanter zu machen, habe ich auch versucht, eine farbige Zeichnung in den Text einzuarbeiten, doch damit hatte ich so meine Probleme, da ich immer wieder Fehler machte und es nicht so funktionierte, so wie ich es mir vorstellte. Immer wenn ich den Text mal speichern wollte, sagte mir das blöde Ding, dass ich noch ein Fenster offen hätte und es erst schließen müsste. Aber welches Fenster und wie zu schließen, das sagte er mir nicht. Ich hatte schon so einige Seiten geschrieben, ich glaube 7 oder 8, als ich den Text speichern wollte. Da es nicht ging, siehe „Fenster schließen“, habe ich den Text kopieren wollen, um ihn in eine neue Datei zu überspielen. Ich habe ihn also kopiert, eine neue Datei geöffnet und wollte ihn einfügen, doch er war weg! Ja, er war weg! Richtig weg! Meine ganze Norwegenreise war verschwunden. Ärgerlich, denn ich habe nun wirklich keine Lust, das ganze noch einmal zu schreiben, denn wenn es aus meinem Hirn raus ist, dann ist es raus. Also: Computer zu und wieder Buch lesen.

Doch siehe da, irgendwann habe ich mich doch wieder an den PC gesetzt und bin vor vorne angefangen. Es ist mir sogar gelungen, eine neue – farbige –  Zeichnung als Überschrift zu gestalten, die ich sogar in den Text übernehmen konnte und habe auch herausgefunden, welche Fenster man wie schließen muss, nämlich die im Zeichenprogramm. Jetzt habe ich schon 11 Seiten damit geschrieben und ihn auch hin und wieder gespeichert, so dass er nicht mehr verloren gehen kann (denn noch einmal von vorne beginnen kann ich wohl doch nicht.)

Montag, 16. Juni 1997

Heute regnet es immer noch und da ich keine Lust habe, durch die nebel- und wolkenverhangene Landschaft zu fahren und doch nichts zu sehen, habe ich mich entschlossen, noch eine Nacht zu bleiben.

Beim Frühstück sagte ich dies meiner Wirtin – sie kommt übrigens aus Casablanca(!) und heißt Aliana und mit Nachnamen heißt sie Meyer(!!!) – die über meine Zusatznacht offenbar so erfreut war, dass sie mir einen Rabatt von 100 Kronen pro Nacht gewährte. Jetzt kostet die Hütte pro Tag nur 350 Kronen. Nun frage ich mich bloß, ob das auch für die erste Nacht gilt, die ich ja schon per Kreditkarte bezahlt habe. Wir werden es abwarten und sehen.

Also sitze ich jetzt wieder am PC und schreibe meine bisherigen Erlebnisse auf. Das schöne an diesen PC-Dingern ist, dass man auch Gedanken, die einem später kommen, an der richtigen Stelle einfügen kann, was bei einem Tagebuch, das mit der Hand geschrieben wird, höchsten über ein „PS:“ möglich ist. Ist schon toll, so ein Laptop. Da könnte man richtig zum Reiseschriftsteller werden (warum auch nicht?!)

Da der Regen nach wie vor – mit kleinen Unterbrechungen – leise aufs Dach tröpfelt, lohnt es sich auch nicht, in den nächsten Ort zu fahren. Ich bleibe schön im Häuschen und genieße es.

Seit gestern funktioniert auch mein Handy, nachdem ich mich damit etwas vertrauter gemacht habe und sogar schon bei mir selbst in meiner Mailbox anrufen konnte. Sandra (sie kümmert sich zuhause um meine Post) kommt offensichtlich klar, obwohl sie einen Fragebogen nicht finden konnte. So habe ich mich selbst auf meinen Anrufbeantworter im der Wohnung angerufen und es ihr gesagt, wo sie ihn finden kann. Mal sehen, ob es funktioniert.

Nicht verstanden habe ich, warum ich – wenn ich meine Mailbox anrufe – aufgefordert werde, eine Message auf meine Mailbox zu sprechen. Da ich nichts gesprochen hatte, war dann auch nichts auf meiner Mailbox. Na, ja, muss ich wohl auch noch lernen.

So, nun bin ich heute doch noch nach Andalsnes gefahren. Ein kleiner Ort mit einem Grand Hotel Bellevue. 1980 hat hier auch mal die „Queen Elisabeth II“ vor Anker gelegen, wie es im Tourist Büro zu lesen war. Hier habe ich mir auch einige Broschüren über die Region geholt, die ganz nützlich sind, um die Gegend besser kennen zu lernen. Auch habe ich natürlich Postkarten gekauft, die nur noch geschrieben werden müssen…

Toll muss die Atlantik-Route von Molde nach Kristiansund sein. Die werde ich mir morgen wohl mal ansehen. Aber auch die „Golden Road“, auf der ich mich ja schon befinde, muss sehr beeindruckend sein, doch solange sie wolkenverhangen ist, lohnt es sich nicht.

Ich werde wohl nicht nach Trondheim hochfahren, denn auf der Rückreise gen Süden ist noch so viel zu sehen, was ich nicht kenne, da würde ich zu sehr unter Zeitdruck geraten, wenn ich noch weiter nördlich fahre. Ich bin nur nicht sicher, ob ich von hier eine Tagesreise nach Kristiansund mache oder hier meine Zelte abbreche, denn wer weiß, was mich erwartet und vielleicht bleibe ich lieber dort am Atlantik eine Nacht. So werde ich wohl morgen hier ausziehen und wenn es der Zufall will, bin ich halt übermorgen wieder hier, um die „Golden Route“ kennenzulernen.

In Andalsnes (ich kann mir beim besten Willen diesen Namen nicht merken und muss immer wieder nachschauen) habe ich mir in einem Spar-Laden Lachs gekauft, der mich so richtig anlächelte. Also auch noch Kartoffeln, Butter sowie Bananen, Zucker, ein Sixpack Bier und Tee. So habe ich mir denn die beiden Lachsstücke in die Pfanne gehauen und dazu eine Pellkartoffel (riesig, könnte eine aus Idahoe gewesen sein) gegessen. Da ich kein Salz hatte, habe ich mir schnell einen Salzstreuer aus dem Gasthaus geholt. Meine Mahlzeit war sehr lecker, doch danach war ich aus so richtig satt und musste ein Verdauungsschläfchen halten, nachdem ich versucht habe, einige Seiten im Buch weiterzukommen, was nicht gelang (ein voller Bauch studiert nicht gern).

Dienstag, 17. Juni 1997

Wenn ich noch einen Tag länger geblieben wäre, dann wäre ich langsam sesshaft geworden. Heute hatte ich das Gefühl, dass es an der Küste etwas besser sein müsste, da die Wolken dort nicht so hoch sind, bzw. man nicht sieht, wie sie die Berge verhüllen. Also entschied ich mich, die Atlantik-Route kennenzulernen.

Doch zunächst fuhr ich wieder nach Andalsnes und dort geht ein Tunnel gleich auf die 64, die nach Molde führt – wenn man direkt mir der Fähre über den Langfjord fährt. Das wollte ich jedoch nicht, sondern bin die 660 weitergefahren, immer schön am Fjord entlang.

Ich konnte immer nur jubeln, obgleich die Sonne sich nicht blicken ließ und die Wolken immer noch verhältnismäßig tief hingen, so dass man die Gipfel nicht sehen konnte, so schön war die Strecke und die Landschaft entlang der Fjorde.

Irgendwo auf der Straße viel mir auf, wie zwei Möwen auf der Straße ziemlich aufgeregt um etwas herumflogen, und im Vorbeifahren sah ich, dass zwei junge Küken auf der Straße standen. Bei der nächsten Wendemöglichkeit kehrte ich um, damit ich die beiden Kleinen fotografieren konnte. Als ich aus dem Auto stieg, kam mir eine der Möwen immer im Sturzflug entgegen, um ihre Kleinen zu schützen. Ich bin dann wieder ins Auto gestiegen und habe sie aus dem herunter gelassenem Fenster fotografiert. Dachte gar nicht, dass Mövenbabys so gesprenkelt aussehen.

Bei Eresfjord bin ich dann in das Eikesdalen abgebogen, da hier der höchste Wasserfall in Nordeuropa sein sollte. Grandios war die Fahrt entlang des Sees, der spiegelglatt war und unendlich schön und einsam ist. Nur ganz wenige Autos sind mir begegnet.

Am Ende des Sees ist dann auch ein Hinweis auf den Mardalsfoss, so dass ich dort hingefahren bin. Vom Parkplatz sind es nur 1,5 km zu Fuß, also macht man das. Doch als diese vorbei waren, stand ein weiteres Schild: 2 km ca. 1/2 Stunde zu wandern. Very tricky, dachte ich, doch sonst wäre man wohl nicht hinaufgegangen.  Es war nur ein schmaler Pfad, der sich immer höher und über Stock und Stein windet. Ich blickte immer nach rechts durch die Bäume, weil es dort rauschte und der Wasserfall also irgendwo sein musste, bis ich ihn endlich richtig sah. Doch sah er anders aus, als auf den Fotos. Erst als ich weiterging, entdeckte ich links noch einen Wasserfall, und das war dann auch der Richtige. Zwar nicht so wasserreich, wie der rechte, doch ganz schön hoch. 20060327-96 Er soll 259 m im freien Fall herunterstürzen und dann fällt er noch einmal fast die gleiche Höhe runter. insgesamt ist er weit über 600 m hoch oder tief, wie man will!

Nachdem ich wieder am Parkplatz war, habe ich mir die Info-Tafel angesehen und da stand dann auch auf Deutsch etwas über den Wasserfall zu lesen. Er ist vor einigen Jahren gebändigt und für die Stromversorgung genutzt worden, was zur ersten Umweltdemonstration in Norwegen geführt haben soll. Man einigte sich auf einen Kompromiss: man muss im Sommer – also Juli und August – mindestens (ich glaube es waren 3) cbm Wasser in der Sekunde herunterstürzen lassen. Ich war aber im Juni da, so dass er etwas zärtlicher aussah…

Dann wollte ich die Strecke über Finnset weiter nach Sunndalsöra weiterfahren, die auf der Karte als gebührenpflichtig eingezeichnet ist. So war auch eine Box angebracht, in die man 40 Kronen werfen musste, was ich auch tat, denn sonst hätte man – wäre man erwischt worden – 200 NKR bezahlen müssen (obgleich keine Quittung mehr vorhanden war. Es hätte also im Falle eines Falles zu Meinungsverschiedenheiten führen können.)

Also fuhr ich los und es ging auf der Schotterstraße immer höher, Serpentinen und tolle Ausblicke. Ab und zu lagen da auch ein paar Felsbrocken herum, die sich vom Berg gelöst und auf die Straße gefallen waren. Selbst die Leitplanken hatten sie ganz schön verbogen. Na, dachte ich, die möchte ich auch nicht aufs Dach bekommen, da würden sie ganz schön durchschlagen. Zum Glück fiel keiner.

Dann kam plötzlich ein Tunnel. Total ohne Beleuchtung, wie eine Höhle. Also Fernlicht an und hin und wieder hupen – wie pfeifen im Keller? – und weiter ging´s. Doch was lag denn da plötzlich direkt vor mir? Mitten im Tunnel hatte sich ein sehr großes Stück von der Decke gelöst und versperrte den Tunnel bis auf ein kleines Stück. Na, da ist wohl Schluss hier, dachte ich, doch der Wagen passte gerade noch so zwischen der Tunnelwand und dem Brocken vorbei. Also weiter. Der Tunnel war zu Ende und draußen lag eine große Schneebarriere. Auch hier war noch eine enge Durchfahrt möglich, also erneut weiter. Doch dann war ein noch größerer Schneewall da, der nur einen Meter Platz gelassen hatte. Da war nun wirklich kein Weiterkommen mehr. An ziemlich großen Reifenspuren, die wohl von einem Traktor stammten, konnte ich erkennen, dass auch er umgekehrt war. Also: umkehren!

Doch das war leichter gesagt, als getan, denn die Straße war so schmal, da gab es keine Chance zum Umkehren. Also Rückwartgang rein und rückwärts bis in den Tunnel. Hier habe ich dann eine klein wenig breitere Stelle gefunden, auf der ich dann 8 – 10-mal vor- und zurückgestoßen bin und meinen tapferen BMW wieder in die andere Richtung bekam. Nun also wieder an den Felsbocken im Tunnel vorbei und wieder an den Brocken auf der Straße, bis ich dann endlich wieder normale Straße hatte.

Das hätte knapp werden und auch daneben gehen können, und das ganz alleine im Auto. Hier hätte ich womöglich Stunden, wenn nicht Tage auf Hilfe warten können, wenn was passiert wäre.

Ich hatte bei all diesem Stress(?) – na, das ist wohl etwas übertrieben – nicht einmal Muße, die wahnsinnige Aussicht zu bewundern (geschweige denn Fotos zu machen), die man – nachdem der Tunnel vorbei war – tief ins nächste Tal hatte. Grandios ist vielleicht noch zu wenig. Wenn diese Straße normal zu befahren gewesen wäre, hätte es womöglich die gewaltigsten Ausblicke ermöglicht, auf der schon ohnehin aussichtsreichen Tour.

So bin ich die neu gebaute Straße also wieder zurückgefahren und dann weiter nach Nesset. Hier bog ich auf die 63 in Richtung Molde, doch dann über die 1 nach Kristiansund, denn von dort geht die Atlantikstraße los.

Die Straße nach Kristiansund ist nicht nur landschaftlich toll – welche eigentlich nicht? – sondern ist auch durch eine schöne Brücke und dem anschließenden – sehr steil nach unten gehenden – Tunnel unter den Fjord hindurch (!) ein tolles Erlebnis. Er ist immerhin über 5 km lang und ich weiß nicht, wie steil der Tunnel ist, doch ich musste beim Reinfahren richtig bremsen und beim Rausfahren mächtig Gas geben.

Kristiansund ist eine sehr schöne Hafenstadt, die auf drei Inseln liegt (habe ich gelesen) und durch seine vielen bunten Häuser ganz reizvoll anzusehen ist. Inzwischen kam auch langsam die Sonne wieder hinter den Wolken hervor und über dem Meer war der Himmel sogar wieder blau geworden: Also, meine Wetter-Vermutung hatte sich bestätigt.

In Kristiansund habe ich am Hafen geparkt und was sehe ich zu meiner angenehmen Überraschung: ein Boot, von dem frische Reiker (das sind die norwegischen Krabben, die ich so gerne mag) verkauft werden. Auch davon hatte ich gelesen und mich schon darauf gefreut. Also kaufte ich welche – für 40 Kronen – und setzte mich an den Kai und pulte die Reiker. Die Möwen freuten sich, denn ich warf die Schalen ins Wasser und einige holten sie sich auch vom Fußboden (hier hat man gar keine Chance, zum Umweltverschmutzer zu werden, jedenfalls nicht, wenn man Reiker isst).

Beim Reikerpulen sah ich eine Fähre ankommen und auch wieder abfahren und als ich dann meine Reiker aufgegessen hatte, ging ich wieder zum Auto – die Parkzeit war inzwischen auch abgelaufen – um weiterzufahren. Auf der Karte sollte dies die 64 sein, doch ich sah immer nur ein Zeichen für die 70. Da auch ich mit einer Fähre übersetzen musste, dämmerte es mir dann langsam, dass das vielleicht die Fähre gewesen ist, die ich auch haben musste. Und genauso war es auch. Die nächste ging in etwa einer dreiviertel Stunde, also nicht tragisch. Ich war der Zweite in der Wartezone und ging dann am Hafen spazieren.

Da kam ein Passagierdampfer aus Narvik an, der einige Touristen ausspuckte. Ob es die Hurtigrouten war, weiß ich nicht, vermutlich ja. Auf jeden Fall war es ein schon etwas älterer Kahn, den ich dann später auf der Weiterfahrt hin und wieder gesehen habe, da er offensichtlich nach Molde weiterfuhr.

Es war die richtige Fähre, die mich auf die Insel Averöya brachte. Eine wirklich zauberhafte und landschaftlich sehr reizvolle und liebliche Insel, auf der man wohnen möchte. Die alte Stabkirche in Kvernes hätte ich mir gerne auch von innen angesehen, doch sie war zu. Sie liegt, zusammen mit einer weißen – etwas jüngeren – Kirche, wunderschön auf einem Hügel mit offenem Blick auf den Fjord nach Norden und Osten. Einfach zauberhaft.

Und dann plötzlich eine völlig andere Landschaft: das Meer mit seinen flachen Schären und Inselchen. Plötzlich ist man am Atlantik und die heute durch viele Brücken verbundenen Inseln bilden die „Atlantik-Route“, für die man natürlich Maut zahlen muss.

An einer Brücke standen viele Angler, so dass ich zurückfuhr, um mir das anzusehen. Hier war die Strömung zwischen den Inseln sehr stark, vermutlich weil die Flut einlief. Und siehe da, die Fische wurden wie am laufenden Band eingeholt. Nur einer hatte Pech, weil er offensichtlich die falschen Köder hatte. Es waren kleine Schellfische, wenn ich mich nicht täusche, doch Heringe oder Makrelen, wie ein Angler (aus Lüneburg) meinte, waren es ganz bestimmt nicht!

Die Straße schlängelte sich dann entlang der Küste und durch die Felder nach Bud, einem kleinen Fischerort, wo ich dann auch übernachtet und in einem Fischrestaurant, das von außen nun wirklich nicht einladend aussieht, gegessen habe. Es sieht eher wie eine Bruchbude aus, doch innen ist es sehr originell mit halben Ruderbooten, in denen man sitzt und mit allerlei Hafen- und Seemannsutensilien recht gemütlich eingerichtet.

Der Heilbutt, den ich gegessen habe, war zwar nicht zum Jubeln, doch man konnte ihn essen. 105 Kronen war dafür auch genug.

Meine Hütte, die ich für eine Nacht gemietet habe, kostet mit Bettwäsche (50 Kr extra) 300 Kronen, dafür aber ohne Wasser und ohne WC, das darf man in der zentralen Wasch- und Toilettenanlage machen. Kochen kann man theoretisch auch, denn es gibt einen 2-Plattenkocher, doch keinen Topf und – wie gesagt – kein Wasser. Dafür sind aber 2 Tassen da und sogar 2 Bestecke! In der zentralen Küche kann man dann morgens seinen Tee kochen und ihn in die Hütte tragen. Mal was Neues, Herr Diekmann!

Da man keine Kreditkarten akzeptiert, versuchte ich auf der Bank, die eine „Minibank“ hat – das ist ein Automat, wo man sich mit der Karte Geld kaufen kann – doch meine hat sie nicht akzeptiert. Also muss ich morgen regulär Geld kaufen.

Heute werde ich mich wohl nicht waschen, denn in der Kälte – es dürften jetzt so ca. 5 – 6 Grad sein – über den Campingplatz zu laufen, muss man sich ja nicht gerade im Urlaub antun. Das könnte ja eine Erkältung geben! Und morgen früh?

Ich frage mich nur, wo ich nachts mein Bier lasse, das meisten wieder raus will?

Mein Gott, so viele Fragen. Da werde ich bestimmt nicht einschlafen können, zumal es auch noch ganz hell ist. Es ist 23:40 Uhr und die Sonne ist gerade mit einem tollen Abendrot untergegangen. Das muss es morgen gutes Wetter geben! So, jetzt, nachdem ich meinen Text korrigiert habe, ist es 1/4 nach Mitternacht und immer noch hell, doch jetzt sollte ich wohl mein Bettchen aufsuchen. Gute Nacht!

Mittwoch, 18. Juni 1997

Herrlicher Morgen, heute morgen. Klare Luft, kaum Wolken, da ist es Zeit, die „Golden Route“ zu besuchen. Ich konnte mir zwar nur die Zähne putzen und das Gesicht waschen, doch das muss für heute reichen. Erst mal zur Bank und Geld kaufen, damit ich meine Hütte bezahlen kann, und dann kann´s wieder weitergehen.

Und das Wetter ist den ganzen Tag schön geblieben, so dass ich ihn richtig genossen habe. „Gott, wie ist das schön!“, habe ich mindestens 10-mal gesagt und meine Jupidupi-Schreie gar nicht mehr gezählt. Man kann wirklich nicht sagen, was schöner ist: das friedliche Tal an einem See oder ein Fjord mit den bunten Wiesen, die noch vielfarbige Blumen haben und nicht wie bei uns nur noch Löwenzahn.

20060322-17 Das satte Grün und die hübschen weißen oder roten Häuschen, die vielfach Verzierungen und ein kleines Eingangshäuschen haben.

20060327-95 Oder die gewaltige Bergwelt, die man nach spätestens einer halbe Stunde Autofahrt erlebt, wenn man das Tal verlassen hat, mit den meterhohen Schneewänden, die erst vor 2 Wochen aus den Schneemassen herausgefräst worden sind.

20060322-62 Die tosenden Wasserfälle – wie viel gibt es eigentlich ? – 20060322-63 die man immer wieder bewundern und fotografieren muss (ich jedenfalls). Oder die Fjorde, die man teilweise von oben sehen kann, wenn man von den Schneehöhen kommt, so z. B. vor Geiranger.

20060322-15 Und wenn man dann noch das Glück hat – wie ich es hatte – dass gerade ein Schiff durch den Fjord fährt – dann glaubt man wirklich Postkartengrüße bekommen zu haben.

Das wohl Faszinierendste ist jedoch – und das hatten Gitta (meine Ex) und ich schon auf unserer ersten gemeinsamen Norwegenreise so genossen – die unerhörte Abwechslung zwischen der lieblichen Landschaft am Fjord oder am See und eine halbe Stunde später ist man in der tollsten Gebirgswelt. Wieder eine halbe Stunde später ist man erneut an einem See oder Fjord und keine halbe Stunde danach wieder vom Hochgebirge umgeben – inmitten von Schnee und baumlosen Granitbergen. 20060322-4 Man wird richtig schwindelig, von all diesen Eindrücken, die man – glaube ich – nirgendwo auf der Welt so erleben kann, wie in Fjord-Norwegen.

Doch zunächst bin ich heute Morgen von Bud die Küste entlang gefahren, um mir die Rosenstadt Molde anzusehen. Rosen habe ich zwar keine gesehen – gibt es im Juni noch keine? Kann ich mir nicht vorstellen.

Doch die Aussicht von Molde über den Fjord gen Süden ist wohl einmalig auf der Welt. Man soll auf dem Aussichtspunkt 220 Berggipfel sehen können, doch da braucht man gar nicht erst hochzufahren – ich habe die Auffahrt übrigens auch gar nicht gefunden – sondern man braucht nur auf der Straße nach Süden blicken, dann sieht man den Fjord und die schneebedeckten Gipfel. Hier leben die Menschen wie im Paradies. Ob sie es auch wissen oder durch den täglichen Anblick das Ganze als „normal“ ansehen?

Kurz nach Molde geht es dann wieder durch einen Tunnel unter den Fjord hindurch und kurze Zeit später kommt die Fährverbindung von Sölsnes nach Afarne, die dann nach Andalsnes führt.

Ich habe jedoch noch einen Abstecher nach Rödven gemacht, um mir dort eine alte Stabkirche anzusehen. 20060327-98 Sie stammt aus dem 12. Jahrhundert und einige Teile sollen sogar noch älter sein, sagte mir das nette Mädchen, das die Eintrittsgebühr kassierte. Immerhin 40 Kronen, doch die habe ich gerne bezahlt, da sie ausschließlich zur Erhaltung dieser alten Kirchen dienen. Dafür haben die Norweger extra einen besonderen Historienverein gegründet. Finde ich gut.

Andalsnes habe ich dann rechts liegen gelassen, da ich es ja schon gesehen hatte und – wie versprochen – bin ich wieder bei meinem Gjestgivergard in Trollsveigen eingekehrt und habe mir dort von Milouda Meyer ein Mittagessen zubereiten lassen und in der Sonne wieder einige Seiten im Buch gelesen.

Dann bin ich – wenn man so will, mit drei Tagen Verzögerung – endlich den Trollstiegveien hochgefahren. Das ist wirklich schon ein dolles Ding und die Serpentinen vom Großglockner brauchen da gar nicht groß angeben, denn so tolle Wasserfälle haben die Alpenpässe wohl nicht zu bieten.

Oben angekommen bin ich natürlich gleich weitergefahren, denn dort standen die Busse und Wohnwagen und Autos nur so herum und deren Inhalte belagerten die Souvenirshops und Fressbuden.

Doch nur ein paar hundert Meter weiter war das wahre Paradies. Ein klarer Gebirgsbach, der aus einem kleinen See abfloss, stürzte sich hinab und da blieb mir gar nichts anderes übrig, als Stöckchen zu suchen und sie hinunterfahren zu lassen. Sogar Schneebälle habe ich geformt, um sie runterschwimmen zu lassen. Was diese Dinge anbelangt, werde ich wohl ewig ein kleiner Junge bleiben. Warum auch nicht?!

Da die Sonne so schön schien und es auch richtig warm war, habe ich mein Buch genommen und mich an den See gelegt und gelesen. Mir wurde so warm, dass ich sogar meinen Pullover ausziehen und im T-Shirt in der Sonne schmoren konnte. Es ist doch herrlich, wenn man an keine Zeit gebunden ist und einfach den Augenblick genießen kann.

Das ist wirkliches Reisen, wie ich es am liebsten mag.

Das Tal abwärts ist im Gegensatz zum Aufstieg ein langes und fast kurvenloses Stück, das langsam nach Lingen zum Norddalsfjord abfällt. Wieder ein so schönes und liebliches Tal, bei dem man im Winter oben losfährt, den Frühling kommen sieht und wenn man unten ist, blüht der norwegische Sommer in seiner vollen Pracht.

Ich glaube, dass der Juni wohl die schönste Zeit zum Reisen durch Norwegen ist. Ab Ende Juni beginnen die Ferien und dann ist Hochsaison und dann soll es auch so richtig voll sein. Gut für`s Geschäft bei Milouda, doch das ist sicherlich nicht mein Fall!

Mit der Fähre setzt man über nach Eidsdal und dann geht es erneut aufwärts in die Schneelandschaft. Und eine halbe Stunde später sieht man dann – erst nur ein winziges Stück und dann so richtig – den Geirangerfjord, wenn man die scharfen Serpentinen hinunterfährt. Und ich hatte tatsächlich das Glück, dass gerade ein Schiff kam, es war wohl die Fähre nach Hellesylt, doch von oben sah sie aus wie ein Kreuzfahrtschiff. A pro pos Kreuzfahrtschiff: in Kristiansund habe ich eines gesehen und auch in Molde. Frag`mich nicht, wie sie noch heißen, vielleicht kann man es später auf den Fotos lesen oder mir fällt es noch wieder ein.

Hinter Geiranger mit seinen großen Hotels – die ich schnell passierte – ging es wieder aufwärts. Diesmal noch ein bisschen höher, denn ich bin hoch nach Dalsnibba gefahren, was wirklich beeindruckend war. Hier – von fast 1400 m Höhe kann man immer noch auf den Geirangerfjord runterblicken und hat die Kombination von 4 – 5 m Schnee an den Straßenrändern, Superbergpanorama rundherum und den Blick auf die Meeresoberfläche – sprich den Fjord. Natürlich waren auch hier ein paar Touristen, u. a. ein Bus mit tschechischen Eishockeyspielern!

Leider habe ich die Karte falsch gelesen und den Tunnel übersehen, und so dachte ich – ich fahre die richtige Straße, doch ich fuhr durch den Tunnel, so dass ich nicht über Grotli fuhr, wo ich mir das alte Hotel mal wieder ansehen wollte, das ich mal als Romantik Hotel gewinnen wollte. (2 x wollte, na, vielleicht fällt mir noch eine bessere Formulierung ein.)

So bin ich dann noch ein kurzes Stück wieder hochgefahren, als ich aus dem Tunnel war, doch Videseter machte nicht den gewaltigsten Eindruck auf mich, so dass ich gleich wieder umgekehrt und Richtung Stryn gefahren bin.

Das ist nun mal wieder ein tolles Tal, da möchte man am liebsten wohnen. So bin ich denn auch an einem Hüttenplatz angehalten, der direkt am Strynsvatan-See lag, da ich endlich mal am See oder Fjord übernachten wollte.

Doch da man auf diesem Platz wieder keine Hütte mit WC hatte und ich nachts nicht aus dem Fenster ….. wollte, bin ich weitergefahren.

In Stryn habe ich mir gedacht, etwas Brot und was darauf zu kaufen, da ich noch Butter, Tee und Bier hatte, um dann abends in meiner Hütte – die ich noch nicht hatte – zu essen. Doch ich streifte nur so durch den Laden und fand nichts, was mich reizte, also habe ich den leeren Korb wieder weggestellt und bin gegenüber in eine nette Cafeteria mit vielen Außenplätzen gegangen – wo gerade einige kleine Mädchen eine Tanzprobe übten – ganz reizend – und habe mir dort zwei Sandwiches und einen Tee gekauft. Als ich angefangen hatte zu essen, wollte ich mir noch schnell meine Karte aufs dem Auto holen und denke, dass man mein Essen wohl nicht klauen wird. Doch weit gefehlt: zwar nicht durch Menschen, sondern die Möwen machten sich über meine Reiker auf dem Sandwich her, diese Burschen. Ich glaube, wenn ich 2 Minuten gebraucht hätte, wären sie weg gewesen – die Möwen und die Reiker!

Kurz hinter Stryn sah ich dann am Fjord wieder ein Hütten-Schild und da hatte ich das Gefühl, hier könnte es sein, was ich suchte. Und richtig: man hatte Hütten mit WC und ich konnte mir sogar zwei aussuchen, was ich dann auch tat. Ich brauchte nicht einmal für Bettwäsche und Handtücher etwas zuzahlen, was sonst wohl allgemein üblich zu sein scheint, wie ich bisher erfahren durfte.

Da sitze ich nun am Uff-Fjord, es ist zwar bewölkt doch noch sehr mild und nahezu windstill, jedenfalls bei mir auf der Terrasse, und schreibe meinen Reisetagesbericht, den ich hiermit beenden will, denn irgendwann muss ich ja mal anfangen, die vier ersten Postkarten, die ich schon in Andalsnes gekauft habe, zu beschreiben. Also auf ein fröhliches Postkartenschreiben. Wem schreibe ich nur zuerst???

Donnerstag, 19. Juni 1997

Heute wollte ich mir einen oder sogar zwei Gletscher ansehen und so fuhr ich von Rake, wo ich ja am Ausläufer des Nordfjordes übernachtet hatte, nach Loen und von dort in das wunderschöne Loenvatner (Tal), das sehr wenig befahren war, also genau das, was ich gesucht hatte.

In der Broschüre hatte ich schon gelesen, dass in diesem Tal zweimal – 1905 und 1936 – durch ein Bergrutsch gewaltige Felsbrocken in den See gestürzt waren, bei denen beim ersten mal 61 und beim zweiten mal sogar über 70 Menschen umgekommen sind. Die Flutwelle soll über 40 m hoch gewesen sein und alles, was sich am See befand, zerstört haben. Es blieb kein Bauernhaus am ganzen See unzerstört. Ein Dampfer wurde 400 m aufs Land geworfen. Das kann man sich kaum vorstellen. Man sieht die Brocken heute noch, die wie eine große Halbinsel aussehen.

Und am gegenüberliegenden Ufer, dort wo jetzt die Straße entlang führt, ist eine Gedenktafel mit allen Namen angebracht, die damals ums Leben gekommen sind. Das habe ich mir aber erst auf dem Rückweg vom Gletscher angesehen, denn der hatte mich zunächst mehr gereizt.

20060322-6 Man sah ihn schon vom See aus, wie er da so hoch oben von der Höhe herunterhing. Man glaubt immer, jeden Augenblick stürzt ein Stück ab, wie bei einem Eisberg, doch es war nichts. Als ich dann weiterfuhr, natürlich wieder durch eine Mautstraße, was aber auch o. k. ist, da kam erst der richtige zum Vorschein. Viel gewaltiger als der erste und bis ins Tal hinunter hatte er sich vorgeschoben.

Ich bin soweit es ging, mit dem Auto gefahren, obgleich schon einige Fußgänger dumm guckten, doch es war nirgends ein Hinweis, dass man nicht mehr mit dem Auto fahren sollte. Der letzte Parkplatz war dann nicht mehr weit vom Gletscher entfernt und so konnte ich ihn schon vom Parkplatz in seiner ganzen Schönheit und Majestät bewundern. Über den Fußweg, der erst kürzlich neu angelegt worden war, weil eine gewaltige Lawine – von der noch große Teile vorhanden war – den alten Weg sehr wahrscheinlich verschüttet hatte.

20060327-97 20060322-9 20060322-11 Kurz vor dem Gletscher hatte man ein Seil gespannt, da es offenbar gefährlich ist, so direkt am Gletscher zu stehen, denn es kann ja doch mal was abbrechen oder eine im Eis eingeschlossene Wasseransammlung bricht sich plötzlich Bahn und ergießt sich über die Besucher (das waren zumindest die Argumente, die auf der Tafel standen). Nun, damit kann man leben.

20060322-10 20060322-13 20060322-12  Es ist schon ein toller Anblick, die Zerfurchungen und Ausspülungen zu sehen, die solch ein Gletscher hat. Und diese Türkisfarbe. Woher kommt diese Farbe eigentlich?

Auf dem Gletscher liegt alles Mögliche an Dreck – sprich Erde – und Geröll, der wohl irgendwann im letzten Winter durch Lawinen rauf gekommen ist. Ich bin dann noch etwas höher gegangen, um auch mal einen Seitenblick zu bekommen und dabei habe ich alle möglichen Steine gesucht, weil ich gerne einen Stein als Souvenir mitnehmen und um auch mal was Besonderes zu finden.

Außer mir waren nur noch ein paar Touristen da und zwei Frauen und ein Mann, die wohl irgendwelche Messungen mit dem Gletscher machten. Er – mutig wie Männer nun mal sind – ging ganz an den Gletscher heran und hatte eine Stange mit einem Art Katzenauge an der Spitze bei sich, mit der die Damen wie bei Vermessungsleuten auf den Straßen wohl irgendetwas messen konnten. Als ich wieder zurückging, fragte ich ihn auf englisch, ob der Gletscher zurückgehen würde, denn man hatte 2 Latten aufgestellt, auf dem zwei Daten vom letzten Jahr standen, die ich jedoch nicht verstand, was sie zu bedeuten hatten. Er sagte mir in gebrochenem Englisch, dass der Gletscher im Gegenteil wachsen würde und seit dem letzten Jahr schon um einige Meter ins Tal gewachsen wäre, worauf ich meinte, dann wird die Witterung wohl kälter. Nein, feuchter, meinte er. Die letzten Winter haben sehr viel Schnee gegeben und daher würde der Gletscher wachsen. Nun, da bin ich mal wieder schlauer geworden.

Als ich die Konversation – beinahe hätte ich Konservation geschrieben (ich habe gerade mein zweites Bier angefangen) – beendet hatte, hörte ich, wie die drei Deutsch sprachen. Das hat mich denn doch gewundert. Wieso sind Deutsche in Norwegen beim Vermessen der Gletscher? Sind es etwa Praktikanten oder so was? Natürlich habe ich nicht in Deutsch weiter gefragt, denn das war mir denn doch zu dumm, zumal ich alles gefragt hatte, was ich wissen wollte.

Ich bin dann noch am Ufer entlang gegangen, um Steine zu suchen und habe auch zwei schöne Exemplare mitgenommen – obwohl es offiziell verboten ist, doch das sehe ich bei den vielen Steinen nun wirklich nicht ein – und habe mal wieder Schiffchen schwimmen lassen, die jetzt vielleicht an irgendeinem Stein hängen geblieben sind, oder im See oder im Atlantik schwimmen.

Da ich außer einem Tee und ein paar Keksen kein Frühstück gegessen hatte, bekam ich natürlich meinen leeren Magen zu spüren. Doch am Seeende war eine Cafeteria – sehr hübsch und erstaunlich nett eingerichtet – wo ich mir einen Hamburger mit Salat und einen Tee gönnte, den ich draußen an Tischen mit frischen Blumen (!) genoss.

Auf der Rückfahrt habe ich an dem herrlichen Ensemble alter Hütten angehalten. Sie erinnerten mich an Röysheim und natürlich hätte ich am liebsten ein kleines aber feines Hüttenhotel draus gemacht.

Nachdem es den ganzen Morgen über bedeckt war, kam jetzt die Sonne heraus und das ich auch etwas müde war, wollte ich nicht im Auto pennen, sondern legte mich an den See. Es war so warm geworden, dass ich im T-Shirt mein Nickerchen machte und man sollte es nicht glauben, wovon ich aufgewacht bin: die Sonne brannte so auf meine schwarzen Jeans, dass es zu heiß wurde. Und da sage mir einer, es wäre kalt in Norwegen!

20060322-18 Herrliche Flora in vielen Farben

Eigentlich hätte ich große Lust gehabt, den Rest des Tages hier zu verweilen, doch dann bin ich doch weitergefahren. Es ist ein so schönes und liebliches Tal, dass ich – erneut mal wieder – hier leben möchte.

In Loem habe ich mir dann doch etwas zum Essen gekauft und ein Messer, obgleich ich das wohl nicht brauchen würde, wie mir später einfiel, da meine letzte Hütte doch alles hatte, was man braucht.

Dabei merkte ich, dass ich nur noch 50 Kronen hatte, obwohl ich gestern erst bei der Bank war. Wo eigentlich war das Geld geblieben? Beim längeren Nachdenken kam es mir dann, dass ich gestern ja auch erste die Hütte in Bud bezahlt hatte und letzte Nacht auch 400 Kronen bezahlten durfte. Mit der vielen Maut und hin und wieder etwas Essen kam es dann schon hin. Also hin zur Bank, damit ich zumindest meine nächste Hütte zahlen könnte.

Den zweiten Gletscher Bricksdalsbren, den ich mir eigentlich ansehen wollte, da er überall erwähnt wird, habe ich mir dann geschenkt, zumal ich mir gut vorstellen konnte, dass er sehr überlaufen und kommerzialisiert ist, was mir von der netten Bedienung in der Cafeteria in Kjenndal auch bestätigt wurde.

Also bin ich weitergefahren und in Utvik den Berg hochgedüst. Ja, manchmal machen mir die Aufstiege richtig Spaß und mein netter Begleiter – mit Namen BMW – macht diesen Spaß auch mit. Im zweiten Gang beschleunigt er sehr gut und Kurven mag er auch, sodass ich sehr flott den Berg hochkam. Die wenigen Mobilhomes und Pkw`s habe ich denn auch lässig überholt.

Auch die Abwärtsstrecke – im zweiten Gang – ging recht flott, bis ich nach Myklebust abgebogen bin, wo ich irgendwo gelesen hatte, sich ein toller Wasserfall befinden sollte. Ich bin also ins Tal bis zum Ende gefahren – Weiterfahrt für Pkws nicht erlaubt – ohne ihn gefunden zu haben. War aber trotzdem ein schöner Abstecher in ein nettes Tal.

In Skei musste ich wieder eine Entscheidung treffen, welche Route ich nun wählen sollte. Ich entschied mich für die 5 um dann auf die 13 zu kommen. Wieder an einem schönen See entlang – man weiß gar nicht mehr – welcher nun schöner war – bis ich dann auf die 13 abfuhr und gleich wieder einen tollen Wasserfall oder besser Stromschnelle sah 20060322-22 (zum Glück habe ich genügend Filme dabei, die ich von Foto Porst umsonst bekommen hatte, da ich schon so viele Punkte gesammelt hatte).

Die 13 war sehr wenige befahren und es ging immer weiter aufwärts, bis ich wieder im Hochgebirge war.

Es ist schon toll in Norwegen: man braucht nur 600 bis 700 Meter über dem Meeresspiegel zu sein und hat eine Natur wie in den Hochalpen. Ich glaube, dass in Norwegen alles 1.000 bis 1.500 m niedriger ist, als in den Alpen. Daher auch der schnelle Wechsel zwischen sanften Tälern und Hochgebirge.

Wenn man den Pass – der nur 745 m hoch ist – überschritten hat, fällt der Blick wieder in ein tiefes Tal und man sieht die Serpentinen sich hinaufschlängeln. Toller An- und Ausblick: 20060322-67 Das ist der Sognefjord.

Als ich dann unten im Tal und somit am Fjord angekommen und bis Dargsvik gekommen war, wollte ich den Zufall entscheiden lassen. Die nächste Fähre fuhr nach Hella und so fuhr ich mit nach Hella. Eigentlich hatte ich grob geplant, gen Westen zu fahren, aber so kam es genau umgekehrt. Gleich hinter Hella war der bisher nasseste Wasserfall, der auf keiner Karte – jedenfalls nicht auf meiner – eingezeichnet war und dennoch mächtig ist. Ich lief also zurück und habe ihn im Sprühregen fotografiert. 20060327-80

Nun hatte ich eigentlich vor, ein Tal zu suchen, das nach Norden führte, da das Wetter einen schönen Sonnenuntergang versprach, den ich gerne erleben wollte. Doch so recht wollte es offenbar nicht klappen.

Plötzlich sah ich ein Hinweisschild: „Walaker Hotel“, das mich an meine alten Romantik-Zeiten erinnerte und von dem ich auf dieser Reise auch wieder gelesen hatte. Da es sich unmittelbar an der Fähre zur ältesten Stabkirche in Norwegen in Urnes befand, wäre das gar nicht so schlecht gewesen, dort zu übernachten und am anderen Morgen die Kirche ansehen. Also runter nach Solvorn.

Doch welche Enttäuschung! Als ich mir ein Einzelzimmer für – ich glaube mich zu erinnern – 550 Kronen ansah, bin ich gleich wieder rausgegangen. Auch das zweite, was sie mir zur Auswahl ansehen ließ, war genauso schlimm. Minizimmer mit primitiven Möbeln und einer Einbauzelle als Dusche und dann nach hinten raus. Nein, das musste ich mir nicht antun, zumal auch das Restaurant nicht besonders einladend wirkte. Ich war richtig sauer, dass man noch vom alten guten Namen profitiert und nur noch kassiert. Grausam!

Also fuhr ich weiter, um vielleicht doch noch eine Hütte zu finden, von der ich das Abendrot aus sehen konnte. Doch alles was ich fand, war nicht so toll, so dass ich schließlich im „Solvang Pensionat“ im Jostedalen landete, einen Kylling mir Salat und Pommes aß und mein Reisetagebuch in den Laptop tippte. Zwei Biere waren dazu ausreichend. Und nun ist es inzwischen 23:15 Uhr. Leichte Röte am Himmel, doch nicht das, was ich erhofft hatte. Na, man kann nicht alles haben, denn der ganze Tag war einfach wunderschön!

Freitag, 20. Juni 1997

Ein herrlicher Morgen begrüßte mich mit Sonnenschein und einem schönen Blick ins südliche Tal, als ich gegen kurz nach 8 aufwachte. Da ich gegen 9 frühstücken wollte, war es gerade die richtige Zeit.

Nun war ich mal gespannt, wie denn der Nigardsbreen, der zweite Gletscher – praktisch auf der anderen Seite vom Kjenndalgletscher – auf meiner Reise, aussehen würde. Welcher wohl schöner wäre, dachte ich mir und musste mich sofort rügen: Jetzt fängst Du schon an, solche gewaltigen Naturschönheiten zu vergleichen. Es ist fast so, als ob man satt wäre.

Es war wieder ein tolles Erlebnis, zumal auch noch die Sonne voll auf den Gletscher schien, während es gestern bewölkt war. Man konnte mit einem kleinen Boot über den am Fuße des Gletschers befindlichen See fahren – 20 Kronen – oder über Schnee und Felsen zu Fuß laufen. Ich nahm das Boot – doch zurück bin ich gelaufen – und mit mir fuhr eine Gruppe braungebrannter junger Menschen, die zum Gletscherwandern mit Pickel, Seilen und alles was dazugehört, ausgestattet waren.

20060322-45 20060322-7 20060322-8 Das muss schon toll sein – wenn man fit genug ist – dachte ich mir so. Früher hätte ich das auch gemacht und dabei dachte ich an meine Zugspitzbesteigung. Der Gletscher war sicherlich sehr eindrucksvoll, doch es war halt schon der zweite – und somit nicht mehr so beeindruckend, wie der erste. Fasziniert hatte mich, welch große Steine kürzlich runtergeknallt und dabei zersprungen waren, als wäre es erst vor wenigen Tagen gewesen.

Sicherlich nicht vom Gletscher, sondern von den Bergwänden. Ich wollte wieder tausend Steine mitnehmen, doch beschränkte mich schließlich auf drei.

Immer diese Entscheidungen, die man treffen muss, wenn man keine festen Reiseziele hat. Soll ich nun durchs wunderschöne Jotunheimengebirge nach Roysheim fahren, um dort mal im ehemaligen Romantik Hotel „Guten Tag“ zu sagen? Doch dann müsste ich die ganze Strecke wieder zurück oder über die schon gefahrenen Strecken über Fagernes oder Stryn fahren. Nein, das wollte ich nicht und so entschied ich mich, zurück nach Hella zu fahren und dort die Fähre nach Vangsnes zu nehmen.

Ich könnte natürlich erneut die traumhaft schönen Ausblicke über den Fjord oder die Faszination der Bergwelt beschreiben, die man in laufender Abwechslung erleben und davon ganz besoffen werden kann. Ich habe davon genug Fotos gemacht, die das viel besser können.

Dafür schreibe ich, dass ich mir in Vik eine Kühltasche gekauft habe, um meine Butter, den Apfelsaft und das Bier zu kühlen. Doch da ich keine Kühlaggregate hatte, bin ich nur mal schnell in 10 Minuten wieder auf die Höhe gefahren, wo ich meine alte Apfelsaftflasche mit Schnee voll gestopft habe und somit ein natürliches Kühlaggregat hatte. Dabei waren die Schafe so neugierig geworden, denn das hatten sie wohl auch noch nicht erlebt, dass sie mir bis zum Auto nachliefen und sehen wollten, was ich damit wohl mache. Sie schnupperten in meine Plastiktüte, ob ich wohl was Fressbares hätte und waren enttäuscht, dass sie nichts fanden. Ein Stückchen Zucker hielt ich dem einen Schaf hin, doch es blökte nur und verschmähte es.

Für mein Auto, das mich bisher immer so gut begleitet hatte, musste ich auch mal was tun. Es quakte schon einige Zeit, dass ein Bremslicht nicht funktionierte. Also: in Vik wurde das Bremslicht ausgewechselt. Doch statt sich damit zufrieden zu geben, quakte es gleich danach wieder: diesmal wollte es ein neues Abblendlicht haben. Nun, ich versprach, dass es in Voss eines bekommen würde. Doch die erste Tankstelle in Voss war auf der linken Seite und gerade viel Verkehr, also fuhr ich weiter.

Meine Route führte aber an Voss vorbei, sodass ich mein Versprechen nicht einhalten konnte. Doch schon bald kam wieder eine Tankstelle und da habe ich sie dann sogar eigenhändig neu eingesetzt! Nun quakte das Auto nicht mehr. (Hoffentlich bleibt es jetzt auch dabei…)

In Kvanndal geht die Fähre nach Utne ab und wäre sie da, würde ich nach Utne fahren, wäre sie nicht da, würde ich weiterfahren. „Sag mit Kvanndal, sag mir wann, sag mir Kvanndal kommt die Fähre?“, sang ich so vor mich hin (schon wieder poetisches Blut in den Adern in mir entdeckt, übrigens nicht zum ersten Mal auf dieser Reise).

Doch da sie – die Fähre natürlich, was denn sonst – kurz vorher gerade abgefahren war, fuhr ich also weiter.

Also würde ich nicht in Utne zu Abend essen, sondern würde mir eine schöne Hütte am Hardanger Fjord suchen, mir vorher noch ein Stück Lachs kaufen und diesen dann gemütlich verspeisen. Da die Sonne noch schien – obgleich sie in den aufziehenden Schleierwolken einen Hof bildete – was ja schlechtes Wetter ankündigt – dachte ich mir, so eine Hütte mit Blick gen Norden könnte wieder einen dramatischen Sonnenuntergang möglich machen.

Ich fuhr dann die Straße nach Bergen in Norheimsund ab auf die 49 und das werde ich im Leben nicht bereuen: So etwas schönes und liebliches von Landschaft, von Dörfern und kleinen Gehöften direkt am Fjord oder auch etwas landeinwärts: ich habe so Etwas noch nicht gesehen! Und was sehe ich da plötzlich? Vor einem Bauernhof steht ein Sonnenschirm und darunter Plastikschalen mit frischen Erdbeeren. Da gab es für mich nur ein kurzes Bremsen, eine kleine Einfahrt und zurück, um diese Köstlichkeiten zu kaufen. 30 Kronen in Selbstbedienung – selbst Wechselgeld konnte man sich aus der Kasse (in der schon einige Kronen und auch Scheine lagen) herausnehmen – waren ein sehr schöner Preis für diese Delikatessen. So liebe ich sie wirklich – die Erdbeeren – und musste natürlich gleich ein paar vernaschen.

An dieser Straße sind die Hütten nicht so reichlich wie woanders, doch als ich ein Schild „Dansommer“ las, wo zwei deutsche Autos, die vor mir fuhren, abbogen, bin ich trotzdem weitergefahren, denn das müsste wohl doch eine größere Ansammlung gewesen sein. Nicht interessiert, also weiter.

Das nächste Dorf hieß „Oma“. Nun, hier sollte ich doch übernachten, denn dann hätte ich nicht bei Oma sondern in Oma übernachtet. Kurz nach diesem Dorf – das sogar eine Fabrik hatte, aber frage mich nicht, was sie produzierte – sah ich ein kleines Holzschild, dass in 200 m Hütten wären. Doch nach 200 m war nur ein Bauernhof zu sehen, also wird es wohl noch kommen. Doch das muss es doch schon gewesen sein. Na, es werden wohl schon noch mehr Hütten am Hardangerfjord sein, als diese paar.

Und dann sah ich wieder ein kleines unscheinbares Holzschild. Ich bremste und fuhr zurück und da stand: „Hyttan ledig“, sogar auch auf Deutsch, allerdings „zu verkaufen“(!). „Na, fährst mal rein“ dachte ich mir und tat es denn auch. Eine Kinderschar und ein Hund sowie eine ganze Familie standen auf dem Hof und begrüßten den Ankömmling.

Ja, eine Hütte habe man, ja, auch mit Toilette und Dusche, ja, ansehen könne ich sie mir auch. Was sie denn kostet, wollte ich wissen. Oh, da muss ich erst mal meine Mutter fragen, sagte mir die Frau, mit der ich in Englisch sprach. 400 Kronen die Nacht, kam sie zurück. Sie gab mir einen Schlüssel und wollte mit Bettwäsche nachkommen.

20060322-25 Nun, von der Lage her war ich ja schon angetan, doch was ich dann vorfand, hat mich umgehauen: so was Tolles an Hütte habe ich ja noch nie gesehen! In so einem Haus würde ich für immer wohnen wollen. 20060322-26 Es hatte alles, was man sich nur vorstellen kann: zwei Räume als 20060322-23 Wohnküche und 20060322-20 Wohnraum, beides mit Blick auf den Fjord und die Bergwelt von Nord bis Südost, 20060322-27 soweit das Auge reicht. Es hat sogar eine Sauna, Waschmaschine, Gefrierschrank und ist super eingerichtet. Drei Schlafzimmer mit insgesamt 6 Betten. Duschbad, kleiner Vorraum, wenn man von hinten reinkommt, und Loggia zum See. Ich könnte auch das Ruderboot nehmen, wenn ich wollte und die Sauna haben wir gleich angemacht.

Hier wollte ich den Rest der Urlaubstage bleiben, doch leider war sie nur für eine Nacht frei und für die nächsten Tage wieder belegt.

Ja, da sitze ich jetzt auf meiner Loggia, habe den Lachs gegessen, der nicht mehr ganz so frisch war, den Rest Erdbeeren vernascht und auf dem Fjord fuhr soeben gemütlich eines dieser „Traumschiffe“ vorbei, das seinen Gästen tagsüber wohl den tollen Hardangerfjord gezeigt hatte.

Diese Hütte ist auch im Katalog von Fjordhytter – einem Reiseveranstalter zu finden und kostet in dieser Zeit für eine Woche 1420 DM, d. h. pro Tag über 200 DM. Ich habe aber nur 100 DM = 400 Kronen bezahlt. Also: wenn ich mal wieder hierher will, werde ich direkt anrufen oder faxen. Postkarten mit der Anschrift und der Nummer habe ich genügend mitbekommen: „Damit Sie Ihren Freunden schreiben können!“ Das Dorf heißt übrigens Omastrand. Nun, also nicht in, sondern bei Oma, und dann noch am Strand!

Da liegen sie, die beiden Hyttan… 20060322-29

20060322-14…und diesen Blick über den Hardanger Fjord hat man inklusive. 20060322-24

Sie waren zur Winterolympiade in Lillehammer für Journalisten gebaut worden und danach konnte man sie – sehr günstig, wie mir schien – kaufen. Da haben die neuen Besitzer gleich zwei erworben und noch eine Sauna angebaut. Ganz große Klasse!

Das Wetter ist tatsächlich schlechter geworden und es wird immer grauer. Die ersten Regenwolken lassen über dem Fjord schon einen Schleier fallen. Am Sonntag soll es Regen geben, meinte die Dame, die mich begrüßt hatte. Sie ist die Tochter der Besitzerin, die mit ihren drei kleinen Kindern bei Muttern Urlaub macht, während ihr Mann auf einer Bohrinsel in der Nordsee sein – sicherlich gutes – Geld verdient. 14 Tage arbeiten, 14 Tage frei, 14 Tage arbeiten und dann 4 Wochen Urlaub.

Ja, in Norwegen zu wohnen ist schon schön – und das wissen die Norweger offenbar auch!

Sonnabend, 21. Juni 1997, Mitsommernacht

Das ist nun der längste Tag und soll die kürzeste Nacht werden.

Die letzte Nacht in der wunderschönen Hütte – es stand doch „vermieten“ und nicht „verkaufen“ an dem Schild, wie ich beim Wegfahren gesehen habe – war durch starke Träume mit dramatischen Geschichten – die ich natürlich vergessen habe – so voll, dass ich mehrmals aufwachte.

Entsprechend länger schlief ich und wachte erst gegen 9.30 auf und die Sonne schien sehr schön über den Fjord in mein Häuschen. Die Wolken von gestern Abend waren fast weg und es begann ein schöner Tag zu werden.

Mein Frühstück zog sich bis nach Mittag hin, so dass ich erst gegen 1 Uhr wegfuhr.

20060322-41 Heute war der Fährentag. 20060322-16 Ich bin viermal mit einer Fähre übergesetzt, so dass ich auch nicht allzu viel Kilometer fahren konnte. Muss man ja auch nicht jeden Tag. 20060322-36

Man kann nach so vielen Tagen mit wunderschöner Natur gar nicht mehr so richtig schwärmen, doch hin und wieder jubilierte ich doch noch. Es ist fast wie jeden Tag Kaviar essen, zum Schluss hat man sich satt gegessen und muss erst mal verdauen und was anderes essen, sprich sehen, um nicht alles langweilig zu finden.

Haugesund ist eine kleine nette Stadt mit sehr vielen alten weißen Häusern, die zwar schon bessere Zeiten gesehen haben, doch insgesamt machte die Stadt einen netten Eindruck auf mich. Warum am Hafen eine Marilyn Monroe Bronzefigur stand, habe ich allerdings nicht herausgefunden.

Die Quartiersuche erweist sich als etwas schwieriger, da heute Sonnabend ist und ich nur noch 600 Kronen bei mir habe, von denen über 150 durch die Fähren draufgingen, so dass ich einen Platz finden muss, der Kreditkarten akzeptiert, um nicht bargeldlos zu werden. Zur Not hätte ich sicherlich auch mit einem Scheck bezahlen können, also, Sorgen machte ich mir keine. Ich landete schließlich in Jörpeland, nicht weit vom Preikestolen entfernt.

Da müsste es eigentlich genug Hotels geben, da dies eine der berühmten Sehenswürdigkeiten Norwegens ist. Doch dies erwies sich als nicht richtig vermutet. Ein Hotel, bei dem schon kurz nach 8 abends nur noch per Klingel jemand zur Rezeption kam, ist nicht gerade das, was man sich unter einem Hotel vorstellt. Das Restaurant war auch schon zu. Na, bevor ich weiterfahre und suche, bleibe ich also hier und beziehe ein – sicherlich ordentliches – Zimmer für 495 Kronen incl. Frühstück.

Gleich unten am Hafen gab es einen Pub mit Pizzeria, da habe ich dann eine „kleine“ Pizza für 65 Kronen gegessen, die ich nicht alleine aufessen konnte, so groß war sie: mindestens 50 cm im Durchmesser, wenn nicht sogar 60!

Nachdem ich dann noch ein wenig am Hafen entlang geschlendert bin und zurück ins Hotel ging, sah ich, dass der Hinterreifen etwas platter war, als normal. Nun, der Parkplatz war auch sehr steil, sodass ich den Wagen etwas ebener parkte.

Doch der Reifen blieb so platt: 20060322-39 Ich hatte – bzw. der BMW – einen Platten.

Nun, entweder fahre ich morgen früh damit vorsichtig an eine Tankstelle – es ist allerdings Sonntag – oder ich hole den Ersatzreifen raus, was sicherlich das Beste wäre. Doch heute Abend wollte ich das nicht mehr machen, da ich ja auch meinen Tagesbericht noch schreiben musste.

Es ist jetzt 22.00 Uhr und ich habe erst ungefähr die Hälfte meines Buches durch, also versuche ich noch einige Seiten zu lesen, obgleich ich jetzt schon merke, dass es wohl nicht sehr viele werden…

Nun, Gute Nacht für die kürzeste Nacht des Jahres, die mit Regen beginnt.

Sonntag, 22. Juni 1997

Also, es war ein Nagel, der sich in den Reifen gebohrt und ihm die Luft genommen hat. Das muss auf oder direkt vor dem Parkplatz des Hotels erfolgt sein, vielleicht aber auch am Hafen, wo so`n Zeug leicht herumliegt. Also Glück, dass es nicht irgendwo in irgendeiner Serpentine passiert ist. Das hätte dann leicht ins Auge gehen können.

Nach dem Frühstück brauchte ich nur 15 Minuten, dann war der Reifen gewechselt; doch ein kleines Malheur ist doch passiert, denn der Wagen rutschte leicht weg, obgleich ich einen Bremsklotz unter den anderen Hinterreifen gelegt hatte. So schob sich der Wagenheber an die Seitenwand und drückte die Schutzleiste weg. Dabei hinterließ er einen kleinen Schaden im Lack. Die Schutzleiste habe ich leicht wieder fest montieren können, doch nun hat der Wagen eine kleine Macke. (So gut bin ich wohl doch nicht beim Reifenwechseln…)

Da ich gestern Abend im Restaurant erfahren hatte, dass man 2 Stunden laufen müsste, um auf den Preikestolen zu gelangen – das steht auch in dem Führer, den ich gelesen hatte – habe ich natürlich mit mir gerungen, ob ich es machen sollte, denn dann wäre der Tag mehr oder weniger draufgegangen. Beim Frühstück fragte ich den Mitarbeiter des Hotels noch einmal, der sagte, er hätte es schon in einer Stunde geschafft, also könne man, wenn man nicht zu langsam ist, es in einer bis 1 1/2 Stunden schaffen.

Ich habe es in 1 1/4 Stunden geschafft – woran man erkennen kann, dass ich mich entschieden hatte, hochzulaufen – und wäre sicher noch etwas schneller gewesen, wenn ich mich nicht zu Anfang verlaufen hätte und ein kurzes Stück zurückgehen musste. Auf keiner Information, die ich hatte, habe ich lesen können, dass es kein normaler Wanderweg ist, sondern ein richtiger Gebirgspfad mit sehr vielen Kletterpartien. Daher habe ich auch sehr viel ältere und teilweise sogar gehbehinderte Besucher getroffen, die das wohl ebenfalls nicht wussten. Ich glaube, wenn man das vorher weiß, wird sich so mancher fragen, ob er/sie das überhaupt machen soll/will?

20060327-101 Blick vom Preikestolen auf den 600 m tiefer liegenden Fjord.

Auf dem Rückweg habe ich sogar 3 junge Burschen getroffen, die mit ihren Fahrrädern hochkrackselten. Sie dachten wohl, man könne das als kleine Mountainbike-Übung machen.

Beim Hochgehen fing es ganz leicht an zu nieseln, aber so wenig, dass man es fast ignorieren konnte. Der Himmel sah auch nicht so aus, dass es stärker werden würde. Doch eine Jacke nahm ich zur Sicherheit mit, denn es könnte da oben ja auch windiger und kälter sein. Je höher man kam, je mehr Tropfen vielen herab. Irgendwann habe ich auch meine Jacke übergezogen, was jedoch nicht so viel ausmachte, da es keine Regenjacke ist. Nun, was soll ich berichten, der Regen wurde immer stärker und der Himmel immer dunstiger, so dass man sich natürlich denken konnte, dass die Aussicht da oben wohl nicht so besonders toll sein kann.

Und dennoch, der Blick hinunter in den Fjord ist unglaublich. Das türkisgrüne Wasser so über 600 m unter sich zu sehen und beim über den Rand blicken ein spürbares Kribbeln zwischen den Beinen zu spüren – nicht was Sie jetzt wieder denken – ist schon einmalig.

Man kann sogar noch etwas höher hinauf und so die Plattform mit den Menschen fotografieren, was ich natürlich auch gemacht habe. Leider war durch den Nieselregen die Sicht doch etwas beschränkt. Dennoch war es ein tolles Erlebnis, das ich nicht missen möchte.

Den Rückweg habe ich dann etwas schneller geschafft, obgleich er – wie erfahrene Bergsteiger wissen – gefährlicher ist, als der Aufstieg. Man belastet die Gelenke sehr und rutscht auch leicht aus.

Da der Regen immer stärker wurde und die Brille voller Tropfen war, nahm ich sie ab um so besser sehen zu können. Ich dacht mir noch, dass es wohl besser ist, die Brille nicht in der Hand zu tragen sondern sie besser in die Tasche zu stecken, damit man, wenn man mal rutscht, sich nicht auf die Brille abstützt. So fummelte ich an meiner Tasche herum, die wieder einmal durch den Reißverschluss etwas verklemmt war, als es dann auch passierte: ich rutschte aus und stützte mich natürlich mit beiden Händen ab und in der linken Hand die Brille. Zum Glück ist nicht viel passiert, sie blieb heil und war nur leicht verbogen, was ich später reparieren konnte. Da ich auf den Hintern fiel und der Ausrutscher auch nur klein war, ist mir auch nicht viel passiert, ich spürte nur etwas in der rechten Schulter.

Inzwischen hatte es so richtig zu regnen angefangen – Bindfäden kann man sagen – doch ich war schon so gut wie wieder am Auto. Da habe ich mich erst mal aus- und trockene Sachen angezogen, denn ich war bis auf die Haut nass (alles nur Angstschweiß, natürlich…).

Als ich dann weiterfuhr und auf die Fähre nach Larvik kam, fing es dann richtig an zu gießen und ich bin zum ersten Mal auf einer Fähre nicht ausgestiegen, um mir die Fjorde anzusehen, sondern im Auto geblieben. Bei diesem Wetter hatte ich auch keine Lust, nach Stavanger reinzufahren, denn was soll man in einer verregneten Stadt?

Also fuhr im immer weiter in Richtung Kristiansand, tankte und kaufte etwas zum Knabbern und Trinken und mal wieder Erdbeeren, doch die waren bei weitem nicht das, was ich am Tag zuvor direkt beim Bauern gefunden hatte.

Das Wetter besserte sich langsam und ich wagte die Prognose, dass vielleicht am Meer die Sonne rauskommen würde. Trotz des schlechten Wetters konnte man ahnen, wie schön die Landschaft hier ist und wie traumhaft sie aussehen könnte, wenn es nicht so regnen würde. Denn die Berge und Seen und Fjorde bilden eine unendlich schöne Kombination, die es wohl nirgends auf der Welt noch einmal in dieser Form gibt.

Meine Prognose war richtig. Die Sonne kam wieder durch und es wurde ein schöner Sonntagabend. Da ich mir vorgenommen hatte, vor 6 Uhr ein Hotel zu finden und als Ziel mir Mandal ausgesucht hatte, bog ich ca. viertel vor sechs in den Ort ein. Meine Planung wäre auch voll aufgegangen, wenn nicht, ja, was wohl dazwischengekommen ist? Ein Golfplatz!

Da konnte ich nicht widerstehen, ihn mir zumindest einmal anzusehen, um dann morgen darauf zu spielen, weil ich heute eigentlich schon genügend körperliche Ertüchtigung genossen hatte. Doch dann habe ich trotzdem gespielt, da es auch nur ein 9-Loch-Platz war, der sich gerade im Umbau befand und daher nur 7 Löcher bespielbar waren. Für nur 50 Kronen war er sehr günstig und so habe ich eine kleine Runde gespielt. Sehr trickreich und außergewöhnlich angelegt zwischen den Bergen und dem Fjord, sehr hügelig und sehr enge Fairways mit grausigen Roughs, die auch gleich zwei Bälle geschluckt haben. Doch wenn man dann am letzten Loch ein Par spielt, dann kann man auch getrost nach 6 Löchern aufhalten (das 9. Loch habe ich nicht gefunden, gibt es wohl auch derzeit nicht.)

Da es zwei Hotels im Ort gibt, von denen das InterSkan Hotel das bessere sein sollte, bin ich erst dort vorbeigefahren und habe dann das andere am Hafen gesucht und gefunden. Da es keinen so tollen Eindruck machte, bin ich zurück zum ersten und fragte nach einem Zimmer. Ja, habe man, und was kostet es, 650 Kronen. Ich fragte, haben sie kein Sommer-Weekendpreis, und er sagte, das wäre der Weekendpreis. Was ist denn der Normalpreis, fragte ich. 900 Kronen gab er zur Antwort. Nein, dass ist zu teuer meinte ich und ging wieder.

Da es im Ort noch ein Ferienzentrum mit Hütten gab, fuhr ich dorthin und bekam auch ein Motelzimmer für 400 Kronen incl. Bettwäsche. Da hatte ich meine Unterkunft, auch wenn ich nicht mir Karte zahlen konnte, sondern mit Euroscheck.

Eine gute Restaurantempfehlung gab man mir auch noch: Das „Biffen“ wäre das beste am Ort.

Nachdem ich erst mal geduscht und andere Klamotten angezogen hatte, ging ich in den Ort, der übrigens einen wunderschönen Sandstrand mit einer herrlichen Bucht hat, an dem das Ferienzentrum liegt. Nun ist Ferienzentrum nicht mit Damp 2000 zu verwechseln, sondern es ist ein sehr großer und gepflegter Campingplatz unter Kiefern, der einzelne Hütten und eine Art Motel hat. Alles auf sehr viel Platz und sehr gepflegt. Hier würde ich auch campieren wollen.

Ich fand das Restaurant auch nach kurzem Suchen am Hafen und habe dort sehr guten Wildlachs und danach Mousse au Chocolat gegessen.

Jetzt bin ich in meinem Motelzimmer, habe das Bett gerichtet und schreibe meinen daily report. Es ist jetzt schon wieder nach 11 und es wird langsam Zeit, noch einige Zeilen zu lesen. Sleep well in Mandal.

Montag, 23. Juni 1997

Heute wird in Norwegen Mittsommernacht gefeiert. Das wollte ich mir eigentlich in einem netten Hotel irgendwo an der Küste nicht weit von Oslo entfernt ansehen, da in der Regel an den Stränden ein großes Feier angezündet wird, wie ich es einmal vor vielen Jahren in Dänemark kennengelernt hatte.

Doch erst einmal habe ich mir noch einmal den wunderschönen Strand von Mandal angesehen, bevor ich weitergefahren bin. Die Entscheidung, ob ich an der Küste oder durch Telemark fahren sollte, überließ mir das Wetter: an der Küste blau und im Binnenland grau ließ mich die Küste wählen.

So kam ich denn bald nach Kristiansand und bin kurz durch die Stadt gefahren. Ich wollte jedoch nicht die Hauptstraße sondern wieder eine kleine Nebenstraße wählen, weil ich damit vorher schon sehr schöne Landschaftseindrücke erlebt hatte, als ich vor Kristiansund abgebogen war.

20060322-43 Hier möchte man wirklich ein Sommerhäuschen habe (und viele Norweger haben es auch…), so schön ist die Südküste Norwegens.

Als ich also hinter Kristiansand wieder in eine Nebenroute einbog, was sah ich da plötzlich wieder: Golfbane. Nur mal schauen, dachte ich mir, als kleine Ausrede, doch aus dem Schauen wurde fragen, was es denn kostet und aus der Antwort: 150 Kronen wurde dann ein Spiel. So habe ich also den letzten Tag mit Golfen verbracht, bis ich dann um 5 mit den anderen Spielern vom Platz musste, weil ein Turnier begann.

Es war ein toller Platz, auf dem man auch Golf-Billard spielen konnte, denn die vielen Felsen ließen die Bälle manchmal ganz schön in die Luft und in andere Richtungen fliegen, wenn man Pech hatte. Wenn man Glück hatte, kamen sie auch wieder auf den Platz zurück. An einem Loch habe ich sogar 14 Schläge gebraucht, doch dann hatte ich auch mal wieder ein Par. Ein sehr interessanter und landschaftlich wieder einmal wunderschöner Platz. Hin und wieder regnete es auch mal, doch das tat der Freude keinen Abbruch.

Danach gab´s nur noch Autofahren, denn es waren ja noch über 300 km bis Oslo, und da manche norwegischen Autofahrer mehr als vorsichtig fahren, wo 80 erlaubt ist, fahren sie mit 70 und wo 60 dran steht, fahren sie mit 50 km/h und man kann selten überholen. Na, das wird dann ja wohl 10:00 Uhr werden, dachte ich mir. Später kam ich dann zwar etwas zügiger voran, doch es wurde doch noch nach 10:00 Uhr, weil ich hinter Drammen abgebogen bin, um ein Hotel an der Küste zu finden.

Es gab jedoch nur eines, das an dem Fjord lag und es machte auch einen guten Eindruck, doch man wollte – ich glaube – 850 Kronen haben. Nun, dass ich etwas mehr zahlen müsste war mir schon klar, doch nicht soviel. Nun, ob ich mir das Zimmer einmal ansehen konnte, was ich auch durfte und man gab mir einen Schlüssel. Das Zimmer lag jedoch nach hinten raus und der Blick ging direkt in die Tiefgarage, also das nicht für diesen Preis. Also bin ich weitergefahren.

Um es kurz zu machen, ich landete im Rica Victoria, wo ich schon einmal übernachtet hatte, direkt im Zentrum von Oslo. Da sollte das Zimmer 950 Kronen kosten, doch ich meinte, dass ich das noch nie bezahlt hätte, sondern letztes Mal nur ca. 600 oder 650 NKR hätte zahlen müssen. Da es schon halb 11 war, hatte die Rezeptzionistin wohl die Entscheidungsfreiheit: leeres Zimmer oder zumindest einen Corporate Preis – und sie sagte, ich könne es für 600 Kronen bekommen.

Nun, auf der Rechnung war dann am anderen Morgen nur 550 plus die Garage, also was sie da gemacht hat, weiß ich auch nicht. Und meinen „Spielfilm“, den ich nachts noch gesehen hatte, war auch nicht erfasst. Wie gut für mich.

Ich habe abends dann noch einen Spaziergang zum Hafen gemacht, weil ich dort vermutete, dass ein großes Feuer angezündet werden würde, aber da war nichts mit Feuer. Dafür aber – und das ist wirklich toll – ist das neue Zentrum Aker Bryggen ein wirkliches Schlemmerparadies. Ein Lokal neben dem anderen und am Hafen selbst zahlreiche Schiffe mit Gastronomie an Bord, also ein Mekka zum Bummeln, Essen und Trinken.

Da ich eigentlich erst um halb 7 unterwegs etwas gegessen hatte, hatte ich nicht mehr viel Hunger und habe einfach bei McDonald einen Fischmac gekauft. Ich hatte es gerade in Empfang genommen, als plötzlich ein Platzregen einsetzte, der alle Menschen in die Lokale trieb. Da habe ich ja richtig Glück gehabt, dachte ich mir so. So schnell wie er kam, ging er auch wieder – ich auch – und bummelte so in dem Viertel herum. Da ich nur noch ca. 70 Kronen hatte, kaufte ich mir nicht mal ein Bier!

Ich bin dann zurück in die Innenstadt und habe dort die Mittsommernachtsfeier gesucht. Doch auch dort war nichts zu finden, nur viele Menschen und volle Kneipen. Ich sah auch wieder eine „Minibank“ und die hatte auch das Euroscheck-Zeichen aufgedruckt. Also probiere ich`s mal und siehe da, es klappte auch, so dass ich mir 500 Kronen kaufte. Nun konnte ich auch ein Bierchen trinken.

Man glaubt nicht, was für tolle Kneipen Oslo hat, was mir schon bei den früheren Besuchen aufgefallen war. Eine schöner als die andere und eine genauso voll, wie die andere. Ich kenne keine Stadt, in der es so viele, so schöne und so belebte Kneipen gibt. Man kann hier richtig was lernen, wenn man Kneipen betreiben will.

Also bin ich in eine gegangen, die ich schon einmal besucht hatte und trank mein erstes Guinness. Als ich dann zurück in Richtung Hotel ging, war direkt um die Ecke eine Kneipe mit Pianomusik. Das mag ich nun mal sehr gerne, denn die liebe ich auch auf der Color-Line. Und die hatten sogar Murphys Bier! Also rein und das erste Murphy seit Schull`s Zeiten (das ist in Südwest Irland, wo wir mal ein nettes Cottage unser Eigen nannten). Er spielte wirklich gut, der Pianist, und die Leuten sangen richtig mit: tolle Stimmung.

Als ich mein zweites Murphys von der Theke holte, quatschte mich eine nette – schon leicht angesäuselte und nicht mehr ganz junge – Frau an und wir kamen ins Gespräch. Nun konnte ich – höflich wie ich nun mal bin – nicht einfach das Gespräch abbrechen und wieder an meinen alten Stehplatz zurückgehen (der inzwischen auch schon wieder belegt war), sondern blieb und quatschte mit ihr. Anne hießt sie und sie verkaufte Timesharing Anteile. Sie schwärmte von Mexiko, und ihr Großvater war Österreicher, der im Krieg in Norwegen war und dort seine Freu kennengelernt hatte und dann hier geblieben war. Anne wollte immer noch nicht nach Hause, obgleich ihre Kollegin und ihr Kollege schon vorher gegangen waren (ich muss ja ein toller Plauderer gewesen sein, oder waren es die Murphys?) Bis gegen 3.00 Uhr! Da hatte ich wohl genügend Murphys für die nächsten Monate getankt. Irgendwann kam ich dann doch noch ins Hotel und habe mir – wie schon nebenbei bemerkt – noch einen Teil eines Films angesehen – frage nicht, welchen Film – und bin dann eingeschlafen.

Ja, und heute ist Dienstag, der 24. Juni 1997 und ich schreibe den Bericht von gestern erst heute, denn nach 3 Uhr nachts voller Murphys bin ich dazu natürlich nicht mehr in der Lage gewesen. Dafür muss man nun mal Verständnis haben, oder?

Da ich erst nach 9 Uhr aufgewacht bin, konnte ich mir die geplanten, beruflich bedingten Termine mit dem NAF (Norwegischer Automobil Club) und der DZT (Deutsche Zentrale für Tourismus) aus dem Kopf schlagen. (Man gut, dass ich keine festen Termine gemacht hatte). Ich habe noch in Ruhe gefrühstückt, um dann ein paar Blumen für May Helen von der Color-Line zu kaufen.

Pünktlich – wie ich nun mal bin – war ich also bei der Color-Line, doch oh Schreck, May Helen war weg. Sie würde erst gegen 2 Uhr wiederkommen.

Na, die werde ich morgen wohl mal anrufen. So bin ich unverrichteter Dinge wieder gegangen und habe meine Blumen und das Angebot vom Hotel Hansen aus Rendsburg, das ich gerade beraten hatte, dagelassen und einen schönen Gruß ausrichten lassen.

Somit hatte ich doch noch Zeit, zum NAF zu fahren und habe dort bei Sjör Gröthun guten Tag gesagt und das Angebot meines Mandanten abgegeben. Dabei erfuhr ich, dass NAF seine Reisebüros mit Winge und Flyspesialisten fusioniert hat und man als Hotel nur noch eine Chance hat, wenn man einem GDS (Global Distribution System) angeschlossen ist. Siehe da, jetzt wird es auch für die Einzelhotels Ernst!

Die Zeit reichte nicht mehr, um bei der DZT reinzuschauen und es wurde nun auch langsam Zeit, die Fähre anzufahren und das tat ich denn auch.

Auf der Fähre gab`s dann einen Mini-Unfall, als ich von den Autodeck-Leuten rückwärts in eine Parklücke eingewiesen wurde, winkten die immer noch, als ich schon hinten an einen Lüftungsschacht anstieß. Dabei ist dann das Glas vom Rücklicht leicht kaputtgegangen. Nun, man holte ein Formular und füllte es aus, damit ich am nächsten Morgen damit ins Color-Line Büro gehen konnte.

Und nun bin ich schon einige Stunden auf der Color-Line, es ist kurz nach sechs, und damit Zeit für das erste Bier heute Abend. Prost.

Mittwoch, 25. Juni 1997

Um 9.30 Uhr legte die Fähre in Kiel an und nach einer halben Stunde konnte ich dann auch aus meinem Park-Loch im untersten Deck herausfahren. Ich bin ins Color-Line Büro gegangen und der Herr Janssen, den ich vom Skal-Club kenne, sagte mir, dass ich den Schaden reparieren lassen und ihm dann die Rechnung geben sollte.

Auf dem Weg nach Rendsburg hörte ich plötzlich ein komisches Geräusch im Auto. Ich hielt auf dem nächsten Parkplatz an, um zu sehen, ob vielleicht etwas mit den Reifen nicht stimmte. Das war aber alles o. k. Das Geräusch blieb jedoch und ich vermute, dass es etwas ist, was nicht so billig zu reparieren sein wird. Vielleicht die Kardanwelle oder so was? Zum Glück ist mir das nicht in Norwegen passiert, dann wäre ich wohl etwas aufgeschmissen gewesen.

Somit bin ich doch ohne größere Autoprobleme durch Norwegen gefahren und es war einfach toll.

Als Resümee der Reise muss ich festhalten, dass es sich lohnt, Bettwäsche und Handtücher und einen Picknick-Korb mitzunehmen, denn Hütten gibt es wie Sand am Meer und sie sind alle viel besser und preisgünstiger als die meisten Hotels. Wenn man nicht in der Hauptsaison fährt, und das ist eigentlich nur der Juli, findet man immer eine Hütte.

Norwegen ist also ideal als Hüttenurlaub. Ich glaube sogar noch besser als im Mobilhome.

Ihr Single-Reisender

Jens Diekmann

 

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